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Eine Postinggeschichte die ich für meine kleine Waldläuferin Palila geschrieben habe.


Schatten der Vergangenheit

TEIL I



Kleine Fältchen bildeten sich auf Palilas sonst glatter Stirn, als sich ein dunkler Schatten durch ihre Gedanken schlich. Sie schlug die Augen auf und sah sich verwirrt um. Jedoch konnte sie nichts Ungewöhliches entdecken. Alles schien völlig normal und ruhig zu sein. Ihr treuer vierbeiniger Gefährte stand etwas abseits und graste, Vögel hüpften von Baum zu Baum und zwitscherten ein Gute-Nacht-Lied in der Abenddämmerung, die Wipfel der Bäume wiegten sich leicht hin und her in der sanften Brise und alles bereitete sich auf die Nacht vor. Palila atmete tief durch und schloss die Augen wieder um festzustellen was sie in ihrer abendlichen Ruhe gestört hatte. Bilder schossen ihr durch den Geist. Wie ein Karussell kreisten lauter Gedanken-Fetzen um sie herum. Ihr wurde schwindelig und übel und sie versuchte sich ganz darauf zu konzentrieren Ruhe in das um sie kreisende Chaos zu bringen. Palila atmete mehrmals ruhig tief ein und aus und streckte in Gedanken die Arme aus um die Bilder festzuhalten um sie betrachten zu können.

Die Welt war verzerrt von dunkeln Schatten, ein leises Murmeln wie von tausenden Stimmen hatte sich wie eine Decke um sie gelegt. Sie blickte sich um und erkannte im Halbdunkel mehrere Gestalten, in weite Roben gekleidet, die Gesichter durch Kapuzen vollkommen verdeckt, die sich ihr von allen Seiten her langsam näherten. In stummem Tanz zogen sie den Kreis um Palila enger, bis schließlich kaum noch ein Schritt zwischen ihr und den dunklen Wesen lag. Die Kreaturen hielten in ihren Bewegungen inne, die Beine schulterbreit auseinander, die Arme leblos am Körper hinabhängend, vollkommen unbewegt begannen sie ihren Sprechgesang. Ein leises Gemurmel, doch stetig lauter werdend, das sich direkt in ihrem Kopf zu bilden schien. Doch verstand Palila nicht was sie sagten. Obwohl der Klang der Stimmen und die Worte ihr vertraut schienen ergaben sie doch keinen Sinn, keine Bedeutung. Verwirrt runzelte sie die Stirn und lauschte angespannt den Worten.

Allmählich wurden die Stimmen leiser bis sie kaum noch wahrzunehmen waren. Eine der Gestalten trat hervor und schlug die Kapuze zurück, sein Gesicht enthüllend. Palila blickte in grün-braune Augen die ihr nur allzu bekannt vorkamen. Entsetzt wich sie vor dem Mann zurück, doch wurde sie von den anderen Gestalten aufgehalten und wieder zu ihm zurück geschoben. Ihre Muskeln spannten sich an und ihr Atem begann zu rasen. Palila wagte nicht dem Mann ins Gesicht zu blicken und hielt den Blick auf den Boden gesenkt. Ein tiefes brummendes Lachen war zu hören als er ganz nah an sie herantrat und eine Hand zu ihrem Kinn hob. Palila schloss die Augen und schluckte als seine Haut auf die ihre traf. Langsam hob er ihren Kopf an und flüsterte mit samtweichem Bariton: „Öffne deine Augen.“ Sie reagierte nicht. Die Stimme nahm einen eiskalten Klang an. „Oder ich helfe dir dabei.“ Ihre Augen schlugen auf und sie blickte ihrem alten Peiniger widerwillig ins Gesicht. Ein gefälliges Schmunzeln breitete sich über seine Züge aus. „Das ist doch schon viel besser. Und nun fangen wir wieder da an wo wir das letzte Mal aufhörten, da du dich ja einfach entschlossen hattest zu ... fliehen.“ Zischend kam das letzte Wort hervor, während seine Hand langsam von ihrem Kinn zu ihrem Hals wanderte. Palila spürte wie sich ihre Kehle zuschnürte. Ob nur vor Angst oder auch durch den Druck seiner Hand verursacht wusste sie nicht so genau. Das kalte Funkeln in den Augen ihres Gegenüber ließ die junge Frau erzittern und sie begann sich ängstlich in seinem Griff zu winden, doch dieser war erbarmungslos fest. In seinen Augen blitzte es ob Palilas zaghaftem Befreiungsversuch dunkel auf und die geängstigte Frau blickte nun in zwei tiefschwarze Löcher. Seine Stimme nahm einen noch bedrohlicheren Klang an als er wieder zu sprechen begann. „Und du versuchst es schon wieder. Weißt du denn nicht was du damit anrichtest? Du weißt doch, dass ich dafür jeden bestrafen muss der dir nahe steht. Du hast doch gesehen was mit deinem Dorf geschehen ist weil du dich widersetzt hast.“ Er beugte den Kopf vor, so dass seine Lippen direkt neben ihrem Ohr waren und flüsterte: „Du bist schuld an all ihrem Leid, an allem vergossenen Blut, an all ihren Schmerzen ... an ihrem Tod.“ Die letzten Worte waren nur noch gehaucht.

Tränen rannen Palilas Wangen hinab und mit einem Schrei erfüllt von all dem Schmerz und Hass den dieser Mann verursachte, stieß sie ihn von sich weg. Sie spannte die Muskeln an, bereit ihn nochmals von sich wegzustoßen, da sie sich sicher war, dass er ihr nachsetzen würde. Doch zu ihrer Überraschung streifte er die Kapuze wieder über und trat in den Kreis zurück. Schluchzend sackte sie in sich zusammen und fiel auf die Knie, den Kopf in den Händen vergraben, noch zusätzlich verborgen durch ihr langes rotes Haar. Zitternd hockte sie auf dem Boden als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie hob den Kopf langsam an und blickte in das, nun ebenfalls entblößte, Gesicht einer alten Freundin.


TEIL II



Sprachlos blickte Palila sie an, die Tränen versiegend, das Schluchzen verstummend, brachte sie stockend hervor: „Je...Jelinea.“ Jelinea nickte sachte und bot ihr lächelnd die Hand an um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. „Jeli... Was ist nur geschehen?“ Palila drückte die Hand ihrer Seelenschwester so fest als wolle sie sie niemals wieder loslassen und die Tränen begannen wieder zu fließen. Jelinea lächelte wieder sanft und umarmte Palila tröstend. „Es wird alles wieder gut.“ flüsterte sie ihr beruhigend ins Ohr und Palilas aufgeregter Herzschlag begann ruhiger zu werden, ihr Atem wurde wieder langsamer und die Tränen versiegten erneut. Jelinea strich ihr sanft über die Haare, sie eng an sich drückend. „Shhhh.“ Palila atmete tief aus und hob den Kopf an, sich von ihrer Seelenschwester lösend trat sie einen kleinen Schritt zurück um sie genauer zu betrachten. „Du siehst so... glücklich aus.“ Die beiden jungen Frauen lächelten sich an.

„Ja, ich bin glücklich und zufrieden. Ich habe endlich einen Ort der Ruhe gefunden.“ Palila strich ihrer Freundin über die Wange. „Das freut mich für dich. Du warst solange verschwunden. Ich habe mir Sorgen gemacht und...“ Palila blickte ihr Gegenüber zögernd an. „und.... da war noch etwas .... anderes.“ Sie runzelte die Stirn in Verwirrung, selbst nicht ganz sicher was sie damit meinte. „Ja Pal.“ Lächelnd führte Jelinea Palilas Hand zu ihrem Bauch. „Ich habe neues Leben geschenkt.“ Ungläubig blickte die junge Waldläuferin die Junghexe an. „Du... du bist schwanger?“ „War. Ich war schwanger. Es ist ein Mädchen. Ma Jaya. Und wir sind sicher und glücklich wo wir jetzt sind. Ich habe mich solange nach dieser vollkommenen Ruhe, nach diesem Gefühl der Erfüllung gesehnt. Und auch du wirst eines Tages einen Ort finden an dem Zufriedenheit auf dich wartet. Vielleicht ist es sogar derselbe wie der meine. Du wärest hier willkommen...“ Sie ließ den Satz verklingen im Klang einer unausgesprochenen Einladung. Palila runzelte die Stirn. „Aber ich kann meine Wälder hier doch nicht verlassen und meine Freunde. Und Hexagor.“ Jelinea brachte ihr Gesicht näher an Palilas und blickte ihr eindringlich in die Augen.

Für einen Moment war ihr Blick rätselnd, doch wurde er nach einigen Herzschlägen verständnisvoll und sanft. „Ich will dich zu nichts zwingen. Jeder muss sein Glück selbst finden und selbst entscheiden wo er es suchen will. Aber das Angebot bleibt bestehen. Du kannst mich jederzeit besuchen. Ruf mich nur und ich werde dir sagen wo du mich finden kannst.“ Mit diesen Worten stülpte sie die Kapuze wieder über und trat in den Kreis zurück, dabei eine recht verdutzte Palila zurücklassend. Die Waldläuferin blickte ihrer Freundin nach wie sie in der grauen Masse der Umstehenden verschwand. Sie verspürte einen kleinen Stich in ihrem Herzen als die Freundin nach der sie solange gesucht hatte schon wieder in die Unerreichbarkeit verschwand. Doch blieb ihr nicht zuviel Zeit darüber nachzudenken, da bereits die nächste Gestalt hervortrat und die Kapuze zurückschlug. Palilas Brauen wanderten nach oben und sie blickte den Mann vor ihr einen Moment lang sprachlos an.


TEIL III



Sie kannte das Gesicht der Person die nun vor ihr stand nur zu gut, war er doch der Mann den sie liebte. Doch bevor sie die Stimme erheben konnte um ihn zu begrüßen, trat eine weitere Gestalt aus dem Kreise der berobten Wesen und schlug ebenfalls die Kapuze zurück. Das Gesicht jenen Mannes war ihr unbekannt und doch schien es ihr als würde sie ihn schon seit langer Zeit kennen. Beide näherten sich Palila um ein weiteres Stück und als eine Stimme erklang, war es die Stimme aus zwei Kehlen, aus zwei Herzen. Die junge Waldläuferin kannte sie beide, sie gehörten zusammen. Und doch kannte sie die Stimmen auch getrennt. Eine getrennte Einheit. Zwei Männer die eins gewesen waren. Ein Bund der den einen leiden ließ und den anderen leben. Palilas Blick wanderte zwischen den beiden Männern hin und her, den Worten die sie sprachen lauschend. "Palila... Du warst nicht bei uns... Du hast uns allein gelassen... Allein mit unserem Schmerz... Allein mit unserer Einsamkeit... Allein... Allein, wenn du uns Kraft hättest geben sollen... Wo warst du? Warum warst du nicht bei uns? Was hielt dich davon ab uns zu folgen? Wo war deine Liebe?"

Palila starrte die beiden Wesen aus großen dunkelgrünen Augen an. "Nein, nein... so war es nicht... ich liebe dich... über alles liebe ich dich... aber ich konnte nicht.... Ich... " Doch ihre Worte verloren sich im Raunen des Windes. Wurden hinweggetragen ohne Wirkung. Während dessen hatten sich ihr die beiden Berobten weiter genähert. Einer vor ihr, einer hinter ihr. Und wieder erklang jene zweigespaltene, einheitliche Stimme. "Nein, du hast uns im Stich gelassen als wir dich so nötig brauchten. Im Stich." Fauchend waren die Stimmen. Sie bohrten sich in ihre Seele, in ihr Herz. Trafen sie schwer und zerrissen sie innerlich. Jene Worte bestätigten ihre schlimmsten Befürchtungen, ließen ihre grausigsten Alpträume Wirklichkeit werden. Sie hatte den Mann den sie so sehr liebte der grausamen Welt überlassen, ohne den Hain ihrer Zuneigung. Ohne ihren Rückhalt. Allein. Ja, sie hatte ihn allein gelassen. Und jene Wahrheit schmerzte sie noch mehr als die Worte der Gestalten neben ihr. Schluchzend kauerte sie sich zusammen. Ihren Kopf zwischen den Armen vergrabend. Bittere Tränen rannen ihre Wangen hinab, benetzten ihr Gesicht, bevor sie zu Boden fielen, eine kleine Pfütze auf dem dreckigen Boden bildend.

Plötzlich griff eine der beiden Gestalten nach ihr, zerrte an ihr, sie durchschüttelnd. "Es ist deine Schuld ... ganz allein deine Schuld... wieder hast du die die du liebst nicht geschützt, obwohl du es hättest tun können... " Der bekannte Fremde hatte sein Gesicht ganz nah an das ihre gebracht. Seine dunklen Augen bohrten sich tief in die ihren, als wolle sein Blick ihre Seele versengen. Palila senkte die Lider, schloss die Augen und wieder schossen bittere Tränen auf. Und wieder benetzten jene Tropfen ihr junges Gesicht, fielen zu Boden, befeuchteten ihre Kleidung. Während die zweiklingende Stimme weiter auf sie eindrang. Doch die geschlossenen Lider hielten sie nicht ab. Die Worte drangen auch durch die Hände die sie vor ihre Ohren presste. Sie überwanden jede Mauer die die Waldläuferin aufzubauen versuchte, wanden sich in ihrem Schädel und klangen in ihrer Seele wider. Palila spürte die Hände an sich ziehen und zerren und kauerte sich enger zusammen, ein Häufchen Elend, sich im Dreck windend, das Gesicht vom Schmerz verzerrt.

Palila riss die Augen wieder auf als sie einen harten Schlag auf der Wange spürte. Auf dem Boden kriechend versuchte sie sich von den beiden Berobten zu entfernen, doch sie waren zu schnell und mit schnell geflüsterten Worten und einer Handbewegung wurde ihr Körper von magischen Fesseln zur Bewegungslosigkeit gezwungen. Und wieder kamen die beiden auf sie zu. Ängstlich wand die junge Frau den Blick zu den beiden. Der Blick ihres Gefährten war seltsam kalt und leer, während die Augen des Fremden zu brennen schienen. Eine Flamme des Hasses. Palila versuchte sich zu befreien, sich zu bewegen, doch noch immer war sie gebunden und mit Schrecken musste sie mit ansehen wie sich eine Flamme, passend zu dem Feuer in des Mannes Augen, nun auch in der Hand des Fremden bildete. Mit einem kalten, gehässigen Grinsen deutete er mit der Hand auf sie, die Flammen in ihre Richtung züngelnd.

In einem Bemühen letzter Hoffnung wendete Palila den Blick zu ihrem Gefährten und leise verließen die Worte ihre Lippen. "Bitte... bitte hilf mir.... Ich liebe dich... und... und es tut mir leid...... Hilf mir..." Die letzten Worte waren so leise geflüstert, dass sie wohl kaum jemand gehört haben mochte, doch die Augen des Mannes an die sie gerichtet waren wurden mit einem Male von Leben erfüllt. Ruckartig wendete er sich dem Fremden zu und stieß ihn zu Boden. Überraschung war deutlich in den Augen des zu Boden gestoßenen zu erkennen, doch dann riss er die Hände hoch und mit einigen Worten wurde Palilas Gefährte einige Schritt zurückgeschleudert und fiel nun seinerseits keuchend zu Boden. Die Flamme die für Palila bestimmt gewesen war loderte wieder auf und schoss nun auf ihren Gefährten zu und abermals war sein Keuchen zu vernehmen. Reglos blieb er liegen und der dunkle Fremde richtete sein Aufmerksamkeit mit einem hämischen Schmunzeln wieder auf Palila. "Nun könnt ihr euch gegenseitig nicht mehr helfen. Dies ist euer beider Ende." Er näherte sich ihr wieder, die Hand erhoben, die Flamme züngelnd, bereit zu einem letzten Schlag.

Die Augen des Fremden leuchteten erneut auf. Doch es war nicht Vorfreude die dort flimmerte, es war Schreck und Überraschung die seinen Blick erfüllte. Mit einem dumpfen Geräusch schlug er auf dem Boden auf und sein fallender Körper gab die Sicht auf Palilas Gefährten frei, welcher immer noch keuchend und dreckverschmiert einige Schritte entfernt stand. Und die Stimme die nun erklang stand allein, unbegleitet von einer zweiten Zunge. "Nein, du wirst weder mich noch die die ich liebe je wieder bedrohen... Nein... ich habe dich besiegt... Ich bin frei... Das Band zerrisssen... Ich bin ich... " Und als die letzten Silben seiner eigenen Stimme seine spröden Lippen verließen sank er entkräftet zu Boden. Die Magie des Fremden hatte mit seinem Sturz nachgelassen und so kroch Palila auf ihren Gefährten zu, von dem Wunsch erfüllt ihn einfach nur in die Arme zu schließen um zu wissen, dass er da war. Und als sich die Arme ihres Gefährten um sie schlossen war es einzig Freude die ihr Herz erfüllte. Sanft legte sie ihre Lippen auf die seinen und hauchte die einzigen Worte die ihre Seele sang. "Ich liebe dich Hexagor."

Und dann fiel ihre Welt in die Dunkelheit zurück. Sie spürte immer noch Arme die sie hielten, doch die Stimme die ihr eine Antwort gab, gehörte nicht zu den Händen die auf ihrem Rücken ruhten. Und als die junge Frau die Augen aufschlug blickte sie nicht in das Gesicht, welches sie zu sehen erwartet hatte.


TEIL IV



Auch diese Augen hatte sie geliebt. Und tief in ihrem Herzen liebte sie sie immer noch. Wenn auch der Schmerz die Emotion war die die junge Waldläuferin am stärksten mit diesen grauen Augen verband. Der Schmerz den sie diesem Mann bereitet hatte. Der Schmerz den sie selbst über ihre Tat empfunden hatte. Die Schuldgefühle. Die Unsicherheit. Die Ungewissheit. All dies hatte sie zu vergessen gesucht, doch es war ihr nicht gelungen. Noch immer erschienen ihr seine grauen Augen im Traum mit der Frage warum sie ihn hintergangen hatte. Noch immer ließ sie die Schuld nicht los und noch immer verstand sie selbst ihre Taten nicht.

Es war die große Liebe gewesen, zumindest hatte sie dies in jenen Tagen gedacht. Und ja, die Gefühle zu diesem Mann waren noch immer stark. Sie hatte bereits als sie sich das erste Mal begegnet waren dieses Band zwischen ihnen gespürt, diese Verbundenheit. Ein kräftiger, gut aussehender Mann mit langem schwarzem Haar hatte vor ihr gestanden. Die grauen Augen hatten sie wach angeblickt. Die kräftigen Hände sie noch so oft beschützend gehalten. Jenen Tag am Strand würde sie wohl nie vergessen. Auch der Klang seiner Stimme würde ihr nie aus der Seele schwinden, jene Stimme die sie zum Einnehmen einer Mahlzeit eingeladen hatte. Jene Stimme die angeboten hatte sie nach Minoc zu begleiten, seinem Zuhause damals. Die Worte des Schreckens als er erfuhr, dass ihre beste Freundin eine Hexe war. Dieser Blick als sie ihn an jenem Tag in Minoc zurückließ.

Palila erinnerte sich, dass ihre Freundin ihr von einer Begegnung mit jenem jungen Jäger erzählt hatte. Sie erinnerte sich an Jelineas Worte, dass sich dieser junge Kerl wohl in sie verliebt hätte. Und sie erinnerte sich, dass sie die Worte ihrer Seelenschwester lächelnd abgetan hatte, obgleich sie selbst damals schon Zuneigung empfunden hatte, schon nach dieser einen Begegnung. Die junge Waldläuferin wusste, dass die Harpyienfeder, die der junge Mann ihr damals über Jelinea hatte zukommen lassen, immer noch in dem kleinen Beutel an ihrem Gürtel war. Seit dem Tag an dem sie sie erhalten hatte. Sie besaß noch alle Geschenke die sie in den Tagen, die jenem einen schicksalsreichen noch folgten, von ihm erhalten hatte. Die Kette, die Ohrringe, der Sternensaphir, selbst die Kleidungsstücke. Selbst der Aufenthaltsort von Pyramusol und Alan, jenem Pferd und Hund welche ihr damaliger Gefährte in ihre Obhut gab, war ihr bekannt.

Sie dachte an all die schlaflosen Nächte die sie ohne ihn verbracht hatte und sie musste an all die Stunden denken die sie mit diesem Mann verbrachte hatte. All die Gespräche, die Jagd, die Zärtlichkeiten, die Stunden die sie in den heißen Quellen verbracht hatten. Doch eines Tages war sie einem anderen Mann begegnet, mit dem sie ebenfalls ein Band zu verbinden schien. Die darauffolgenden Wochenläufe waren von Zweifeln erfüllt gewesen und auch ihr damaliger Gefährte hatte jene Veränderung gespürt. Wenn Palila ihm auch immer wieder versichert hatte, dass sie mit dem Magier nur Freundschaft verband. Für einige Zeit hatte Palila diesen Worten und Beteuerungen selbst geglaubt, doch schließlich hatte sie sich eingestehen müssen, dass sie sowohl sich selbst als auch die beiden Männer belog. Ihre Gedanken schweiften zu jenen Stunden in denen sie zum ersten Male einem Mann so nah gewesen war wie es wohl für die Menschen möglich war. Und sie war froh, dass sie jene Erfahrung mit damaligen Gefährten gemacht hatte und doch schmerzte sie der Gedanke daran, dass sie es mit einem anderen Manne wiederholt hatte und sich selbst und zwei Männer in eine Zeit der Zweifel, des Schmerzes und Trennung gestürzt hatte.

Viele Erinnerungen und Emotionen banden Palila an den Mann dessen Gesicht sie nun vor sich sah. Der Mann der in ihren ersten Tagen in den Wäldern der alten Welt ihr Gefährte gewesen war. Er trug die gleiche Robe wie die anderen Gestalten, die um sie herum in einem engen Kreis standen. Und wie alle Wesen die bis jetzt auf sie zugetreten waren, hatte er die Kapuze zurück geschlagen um sein Gesicht zu enthüllen. Unwillkürlich wanderte die Hand der jungen Frau an den Beutel an ihrem Ledergürtel, wohl wissend, dass die Feder noch immer dort war. Sie zog die Hand wieder zurück und strich sich eine Strähne des rotbraunen Haares aus der Stirn, welches der Mann vor ihr so bezaubernd gefunden hatte als er ihr Gefährte gewesen war. Angst stand in ihren dunkelgrünen Augen als sie den Blick in die grauen Augen richtete, die ihr so vertraut waren. Zu gut erinnerte sie sich noch an die Verbitterung und Pein die diese Augen einst gezeichnet hatten. Doch der Blick der sie nun traf zeigte keine der beiden Emotionen. Es war Vergebung die sie sah. Es war Milde die sie sah. Sie sah den Blick eines Mannes, der den Schmerz überwunden hatte und so zu neuem Glück gefunden hatte.

Und obwohl es sie freute, verwirrte sie es doch gleichermaßen. Sie selbst hatte diese Ruhe nicht wieder gefunden, ein Teil von ihr litt noch immer, immer wenn sie sein Gesicht sah. Der grauäugige Mann erhob sich vom Boden und reichte ihr eine kräftige Hand als Hilfe zum Aufstehen. Zögernd und vorsichtig ergriff die junge Frau die dargebotene Hand und ließ sich hochziehen. Mit offenem Mund starrte sie ihren ehemaligen Gefährten an, ihr Blick immer noch verwirrt und bar jeden Verstehens. Er jedoch lächelte nur sanft. "Du hast dich verloren..." waren die ersten Worte die sanftgesprochen seine Lippen verließen und sie trugen nicht gerade dazu bei, dass Palilas Verwirrung vorüberging. "Du musst wieder zu dir finden. Zu der Frau die ich geliebt habe. Du musst die Ruhe wieder in dein Herz lassen, denn dieser Schmerz nimmt dir Kraft. Die Kraft die du gerade so sehr brauchst. Geh nicht weiter diesen Pfad der dich in die Dunkelheit führte. Du glaubst du hättest ihn verlassen, doch du verwechselst das Licht der Sonnenuntergangs mit dem des Aufgangs."

Sanft legte er ihr die Hände auf die Schultern und Palila schien es für einen Moment als würde ihr ein riesiges Gewicht auferlegt. "Befreie dich von dieser Last, so wie auch ich es schon vor langem tat. Befreie dich von den Gedanken die deine Seele so quälen und beschweren." Je mehr Worte er sprach, desto schwerer schienen seine Hände auf ihren Schultern zu werden. Schwer. Unerträglich schwer. Wie die größten Felsen die die Zweiköpfigen nach einem warfen. Palilas Beine wollten versagen, die Knie wurden weich. Und plötzlich wurde das eindringliche Flüstern des Mannes vor ihr lauter. Wurde lauter und schien sich noch zusätzlich anzuhängen, schien ihren Kopf zu zerdrücken. "Nein! Nein, du darfst nicht aufgeben, darfst es nicht einfach so geschehen lassen. Ich weiß, dass du die Kraft hast all dies wegzustoßen. Nun zeig mir, dass ich mich in diesem Punkt nicht in dir getäuscht habe. Zeig mir wer du bist. Du kannst diese Fesseln ablegen."

Die junge Waldläuferin spürte wie ihr die Tränen in die Augen traten. Tränen der Verzweiflung. Sie kannte diese Tränen. Sie wusste wovon der Jäger sprach. Doch sie konnte sich nicht gegen das Gewicht stemmen, es schien viel zu groß. Und noch immer wuchs es. "Und es wird weiter wachsen." Es schien als hätte er ihre Gedanken gelesen, als sei sie ein offenes Buch. "Ja. Ich kenne dich. Das Gewicht wird weiter wachsen, weil du es wachsen lässt. Niemand kann dir diese Aufgabe abnehmen, weil nur du sie abwerfen kannst. Palila." Mit einem Ruck hatte er ihre Schultern fester umfasst und sie weiter zu ihm gezogen um ihr ganz nah in die Augen zu blicken. Ihr schien es als wolle er seine grauen Augen durch ihre grünen tief in ihre Seele brennen. "Es wird nicht von allein aufhören. Mach dir keine Hoffnung darauf. Du kannst dich nur befreien wenn du dagegen ankämpfst. Kämpf Palila, kämpf. Wo ist die Frau die im Namen Murranaghs schon unzählige Untote erschlug. Tu diesmal etwas in deinem Namen. Gib dir selbst die Kraft die du brauchst."

Palilas Mund entfuhr ein Schluchzen. "Aber ich weiß nicht wie. Wie? Ich weiß nicht, was ich dafür tun muss. Es gibt hier keinen Gegner den ich sehen kann." Der eindringliche, fast wütend wirkende Blick des Mannes wurde sanfter. Du kannst es bekämpfen in dem du dich weigerst es zu ertragen. In dem du dir nicht mehr selbst dieses Gewicht zusprichst. Du musst darum bitten." Die junge Frau verengte die Augen in Verwirrung und sah ihn ratlos an. "Ich.. ich verstehe nicht recht... worum muss ich... bitten?" Und in diesem Moment schien es ihr ganz klar. In diesem Moment schien es ihr als habe sie die Lösung gefunden, als würden die Gewichte auf ihren Schultern endlich heben. Und leise zwar, aber mit allem Herzen gesprochen erklangen ihre Worte. "Bitte verzeih mir..." Der Blick des Mannes blieb sanft, aber nach einem kurzen Moment schüttelte er den Kopf und die Gewichte begannen wieder hinab zu sinken, sie wieder in den Boden zu drücken versuchend. "Nein." sagte er leise, doch es war keine Enttäuschung in seiner Stimme zu hören, nur Geduld. "Nein. Du weißt, dass ich dir verzeihe, darum musst du nicht mehr bitten. Nein, du musst jemand anderen um Verzeihung bitten. Jemanden den du bisher noch nie darum gebeten hast. Und ich glaube du weißt auch wen ich meine. Du kannst diese Gewichte nicht ewig mit dir tragen. So sehr du sie verdient zu haben glaubst. Eines Tages sollte jeder wieder frei gehen dürfen."

Sein Blick zeugte von tiefem Vertrauen in ihr Verstehen. Von einem Gefühl der Sicherheit, dass er bereit war zu geben. Von einer tiefen, inneren Ruhe die er spürte. Und Bilder von einem Mann den sie vor langer Zeit an einem Strand getroffen hatten kamen in ihren Geist. Sie sah den Unterschied und verstand. Leise, die Stimme unsicher und hoffnungsvoll sagte sie die Worte die Erlösung brachten. "Ich verzeihe mir." Der Mann nickte zufrieden, die Lippen von einem sanften Lächeln umspielt. Langsam nahm er die Hände von ihren Schultern und Palila bemerkte plötzlich, dass auf seinen Händen ein zweites Paar ruhte, das einer Frau. Ihre Hände, die sich in seine Finger gekrallt hatten. "Ich konnte sie nicht wegnehmen, weil du sie dort festgehalten hast. Vielleicht verstehst du es jetzt." Noch immer umspielte seine Lippen dieses warme Lächeln als er sich umdrehte, die Kapuze wieder überstreifte und in den Kreis zurücktrat. Einen Moment lang blickte Palila ihm nach, seine Worte in ihrem Geist umherschwirrend.

"Ja, ja ich verstehe es jetzt."

Sie fühlte sich so erleichtert, so frei, doch dann wanderten ihre Gedanken zu dem Kreis aus berobten Gestalten zurück und sie fragte sich wer oder was wohl als nächstes auftrat.


To be continued...



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