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Hier finden sich einige meiner, zumeist eher älteren, Rollenspiel-Postings. Sortiert nach den jeweiligen Charakteren.


Ambrose Nai

Rankende Geheimnisse (10.08.2003, 23:15)

Ranken. Mitten im Orkenfort wuchsen plötzlich Ranken. An einem Ort an dem Ambrose noch nie solch eine Pflanze gesehen hatte. Geschweige denn, dass er überhaupt schon einmal solch ein Rankengewächs gesehen hätte. Es war umgeben von einem seltsamen Schimmer, der jeden Orken, der es berührte, zusammenbrechen ließ. Auch Ambroses Begleitung schien die Pflanze zu schrecken, so dass sie sich zurückzog. doch in Ambrose verursachte diese Pflanze keineswegs Furcht. Ganz davon abgesehen, dass das harte Leben welches er geführt hatte ihn zu einem gewissen Teil ohnehin abgestumpft hatte. Die Ranken und das Funkeln schienen ihm gegenüber aber auch keine feindliche Absicht zu hegen. Sie folgten ihm als er einmal um das Gewächs herum schritt. Nachdenklich strich er sich durch die verschwitzten, an den Schläfen angegrauten Haare und betrachtete das Gewächs sorgsam. Nein, es schien keineswegs furchteinflößend oder gruselig wie Shynia es nannte. Ganz im Gegenteil. In der Nähe der Ranken war es warm und er fühlte sich auf eine merkwürdige Art geborgen. Doch als einer der Orken einige der ranken abschlug verspürte er für einen kurzen Moment ein Gefühl des Schmerzes. Sorgsam ließ er die schlanke Klinge, welche er gegen die Orken geführt hatte, surrend in die Schiede einfahren und streckte seine Hand nach der Pflanze aus. Deren Ranken hatten sich ihm inzwischen weit entgegen gestreckt, berührten ihn fast. Die Pflanze an sich hatte aufgehört zu wachsen, lediglich ihre Enden bewegten sich weiter auf den Krieger zu, berührten nun seine Brustplatte und schlossens ich allmählich darum.

Ambrose leistete keinen Widerstand. Ließ die Ranken gewähren, sie vorsichtig betastend. Immer umfassender schlossen sie sich um seinen Brustkorb. Seine dunkelbraunen Augen folgten jeder Bewegung der Pflanze. Ein wohliges warmes Gefühl durchfloss ihn und es schien als ob sich einige der alten, nie ganz verheilten Wunden seiner Zeit als Söldner schließen würden. Ebenso schien eine Wunde die nicht physischer Natur war betroffen zu sein. Wenn sie auch nicht gänzlich heilte, so wurde sie doch gelindert. In jenem Moment als die Ranken seine Brust völlig umgaben fühlte er eine tiefe Zufriedenheit. Ein Gefühl, dass er schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Doch als die rankenden Enden schließlich seinen Brustkorb gänzlich umschlossen hatten erstarb jede Bewegung für einen Moment. Das Gewächs vor ihm verdorrte und die Ranken die ihn umgeben hatten fielen ab und landeten auf dem Erdboden. Doch schien ihre Form nicht willkürlich. Die abgefallenen Ranken hatten eine Tunika gebildet, eine Tunika aus fein geflochtenen Ranken. Verwundert blickte Ambrose darauf, strich dann sachte darüber und nahm es auf, als auch dies keine Gefahr darzustellen schien.

Nachdenklich betrachtete der alterne Krieger die Rüstung. Ein wohliges Gefühl durchströmte ihn beim Kontakt. Langsam schritt er auf das Tor zu und verließ das Fort der Orken. Er schloss die Türe hinter sich und ging noch einige Schritte, bevor er sorgsam begann seine Plattenrüstung abzulegen. Abermals fiel sein Blick auf die Rüstung aus Ranken und etwas trieb ihn dazu sie anzulegen. Vorsichtig hielt er das aus Ranken geflochtene Rüstungsteil an seinen Brustkorb. Zunächst schien es zu weit, doch dann begann es sich plötzlich seinem Körper anzupassen und schließlich saß es wie angegossen. Ambrose versuchte sich zu bewegen und zu seinem Erstaunen beeinträchtigte die Tunika in keinster Weise seine Bewegungsfreiheit. Und wider war da dieses warme, wohlige Gefühl. Nun schien es gar als würde Lebensenergie durch den Boden, durch seine Beine in seinen ganzen Körper strömen. Plötzlich begannen sich die Enden der Rüstung zu bewegen, tastend, als würden sie nach etwas suchen. Doch schienen sie es nicht zu finden. Verwundert strich der Krieger über die Enden der Ranken, folgte ihrem suchenden Spiel mit dem Blick. "Wonach sucht ihr?" murmelte er leise, nachdenklich.

Eine ganze Weile stand Ambrose dort. Doch die Ranken fanden nicht wonach sie suchten. Auch wenn es angenehm war diese Rüstung zu tragen, so schien ihm doch etwas zu fehlen. Stirnrunzelnd setzte sich Ambrose wieder in Bewegung. Seine Gedanken wanderten grübelnd umher. Wer hatte diese Pflanze wachsen lassen? Oder war sie von allein gewachsen? Was war dies für eine Pflanze gewesen? Und was genau hatte es mit der Pflanze und jener Tunika aus den geflochtenen Ranken auf sich? Viele Fragen wirbelten im Kopf des Kriegers durcheinander. Fragen auf die er keine Antwort wusste. Doch es musste eine Antwort geben und er war sich sicher, dass er sie eines Tages auch finden würde.


Ein langer Tag (17.06.2004, 02:28)

Donnernd krachten die Hufe des edlen, kräftigen Rappen über den Waldboden. Sein Reiter saß fest im Sattel, die goldene Plattenrüstung und der Umhang waren mit Dreck und etlichen undefinierbaren Flüssigkeiten verkrustet. Das Ergebnis eines langen Tages auf der Jagd nach Untoten. Doch im Übrigen war seine Gestalt nicht allzu auffällig. Der Krieger war von durchschnittlicher Größe und trainierter Statur, so weit man dies durch die Rüstung beurteilen konnte. Als er sein Ziel erblickte, brachte der Mann das Ross mit sanftem Zug an den Zügeln vor einem Haus zum Stehen. Mühsam schwang er sich aus dem Sattel, die plattengepanzerten Füße landeten polternd auf den Steinplatten. Leise summend kramte er in dem Beutel an seinem Gürtel, ein sanftes Lächeln auf den Lippen, als er schließlich fand wonach er suchte und das Tor aufschloss. Sean, der Stalljunge blickte auf und trat sofort auf den alternden Krieger zu, um die Zügel entgegen zu nehmen und das Tier in den Stall zu führen. "Reib Iagon gut ab. Er hat einen schnellen Ritt hinter sich." rief Ambrose dem Jungen nach. Dieser nickte nur, um zu zeigen, dass er seinen Herrn gehört hatte und trottete weiter. Einen Moment lang blickte der Hausherr dem Burschen nach und wendete sich dann wieder dem Weg zu. Das leise Knirschen der metallenen Rüstung begleitet ihn über die schmale Brücke bis zur Tür. Leise seufzend schloss er auch diese auf und trat ein, sich einen Moment lang umsehend. Der Raum war erleuchtet, wie immer wenn er nach Einbruch der Dunkelheit heimkehrte. Mit einem Lächeln machte sich Ambrose eine mentale Notiz Sean am nächsten Morgen dafür zu danken und schritt zum Schlafzimmer.

Mit geübten Handgriffen löste er die Riemen der Rüstung und verstaute sie sorgsam. Das Säubern würde er sich für den nächsten Tag aufheben, an diesem Abend war ihm nur noch nach Entspannung zumute. Seufzend wanderte der Blick seiner braunen Augen auf die verschwitzte Unterkleidung und er entschied, dass ein Bad angebracht sei. Mit von Erschöpfung schweren Schritten erklomm er die Treppe und näherte sich zielsicher einer der Truhen, um eine Flasche guten Eichensteiner Weines zu entnehmen. Eine Last die er aus dem Lande seiner Geburt mitgebracht hatte. Mit einigen weiteren, langen Schritten war er bei dem kleinen Tisch auf der anderen Seite angekommen und nahm ein Handtuch und die Flasche mit dem Tannenöl herunter. Sorgsam legte er alles neben der mit Wasser gefüllten Vertiefung nieder und streifte die Stiefel ab. Mit einer raschen Bewegung zog er das schlichte Hemd über den Kopf und blickte für einen Moment auf seine dunkle, mit zahlreichen Narben bedeckte Haut, bevor er den Gürtel löste und sich auch der Hose entledigte. Mit einem wohligen Seufzer ließ er sich in das warme Wasser sinken und schloss, zurückgelehnt, für einen kurzen Moment die Augen.

Er atmete einmal tief durch bervor er die Augen wieder öffnete und die Weinflasche heranzog um mit der Flüssigkeit ein, schon vorher bereitgestelltes, Glas zu füllen. Langsam führte er das Gefäß zu den Lippen und nippte daran, den Wein für den kurzen Moment eines Herzschlages im Munde behaltend. Mit nachdenklich gerunzelter Stirn strich sich der alternde Krieger durch den graumelierten Bart und ließ die Geschehnisse des vergangenen Tages Revue passieren. Es war ein langer Tag gewesen. Einige Stunden hatte er mit jenem jungen Mann, namens Rufus, die Untoten an der Grenzwacht niedergeschlagen. Schmunzelnd musste er an den schüchternen, angehenden Krieger denken. Wann immer eine Frau in der Nähe vorbei geritten war, hatte er begonnen zu stottern und jegliche Konzentration auf den Kampfe verloren. Deutlich konnte Ambrose sehen, dass ihm auch ohne Ablenkung noch eine gehörige Portion Übung fehlte. Auch seine Kraft und Geschicklichkeit ließen noch zu wünschen übrig. Aber er schien Mut und den nötigen Ehrgeiz zu haben, um eines Tages ein fähiger Krieger zu werden. Und er musste zugeben, dass Rufus sich gar nicht mal schlecht geschlagen hatte. Er hatte es sogar vermeiden können, sich niederschlagen zu lassen. Und das war bereits weit mehr, als Ambrose von so manch anderem Jungen gesehen hatte, der sich selbst Krieger nannte. Ihr Kampf hatte nach einiger Zeit auch einen Magier angelockt, der sie für eine Weile begleitete und Heilung spendete. Die meisten Leute diesen Standes war Ambrose ein Rätsel. Wie sie nur mit Worten Wunden zu verschließen vermochten oder Schmerzen verursachten verstand er nicht. Aber es gehörten wohl auch lange und harte Jahre des Studiums zu solch einer Proffession.

Der Magier war nicht allzu lang geblieben. Irgendetwas mochte ihn wohl irritiert haben. Aber im Grunde kümmerte es den Krieger auch nicht allzu sehr. Rufus und er kamen auch ohne dessen Hilfe recht gut zurecht. Und schließlich hatte sich nach weiteren Minuten auch noch ein Bogenschütze zu ihnen gesellt. Wobei auch jener Mann die Worte zu beherrschen schien mit denen man Verletzungen kurierte. Und dies konnte eigentlich nur in ihrem Sinne sein. Wenngleich Ambrose seiner Hilfe kaum bedurfte. Viel mehr war es Rufus, dessen Kampftaktiken bei weitem noch nicht ausgefeilt waren, der solcher Hilfe bedurfte. Immer wieder brachen die Schläge der Untoten durch die Deckung des jungen Mannes und trafen seinen, nur mit Leder gepanzerten, Leib. Zwar versucht Ambrose unzählige Male sich zwischen die unheiligen Wesen und ihre Beute zu drängen, ebenso wie er es bei dem Magier getan hatte, aber die Untoten waren stur und beharrlich. Und so wurde Rufus einige Male heftig getroffen.

Der alte Krieger lächelte gedankenverloren. Vielleicht würde es ihm möglich sein, die Entwicklung des Jungen weiter zu folgen. Interessant wäre dies in jedem Falle. Erneut führte der alternde Krieger das Glas mit dem schweren Eichensteiner Wein an die Lippen und füllte seinen Mund mit der Flüssigkeit. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen während er sich tiefer in das warme Wasser rutschen ließ. Auch Aretalis war er wieder begegnet. Etliche Monde lag ihre letzte Begegnung nun schon zurück, doch die junge Frau, eine angehende Magierin, war ihm sympathisch und er hatte sich über diese angenehme Überraschung gefreut. Auch mit ihrer Hilfe hatte er noch einigen verlorenen Seelen Frieden geschenkt, während er zwischendurch immer wieder Rufus' Unterhaltung mit einer jungen Frau beobachtete. Wie zu erwarten, hatte der Junge wieder angefangen zu stottern, was Ambrose ein amüsiertes Schmunzeln entlockte. Schließlich hat der angehende Krieger sich auf den Heimweg gemacht und Ambrose und Aretalis blieben zurück. Wenn auch nicht allein. In den letzten Minuten der Unterhaltung des schüchternden Mannes mit der Fremden hatten sich drei Reiter, zwei Frauen und ein Mann, neben den verfallenen Mauern gesammelt. Der alte Krieger und die angehende Maga beschlossen sich lieber wieder in das Herzogtum zurück zu ziehen. Schienen doch die Reiter, in dunke Kleider gehüllt, nicht gerade das zu sein, was die beiden unter angenehmer Gesellschaft verstanden.

Auf der anderen Seite der Grenze hatten sie noch einige Untote niedergestreckt und etliche Worte gewechselt. Doch schließlich trieben Müdigkeit und Erschöpfung sie beide nach Hause. Mit schweren Schritten hatte er sich auf den Weg zu seinem Ross gemacht und sich behäbig in den Sattel gehoben. Leise grummelnd über die einschränkende Plattenrüstung. Und Rufus hatte sich schon über die Unbequemlichkeiten einer Lederrüstung beschwert, dachte er schmunzelnd und trieb das Pferd mit festem Schenkeldruck zur Bewegung an. In gleichmäßigem Galopp hatte Iagon seinen Herrn sicher und ohne besondere Vorkommnisse durch den Wald zu seinem Haus getragen. Und nun saß der müde Krieger immer noch im langsam abkühlenden Wasser. Das Glas hatte er inzwischen geleert und da ihm allmählich die Augen zufielen, hielt er es für angebracht, sich den Rest der Flasche für einen anderen Abend aufzuheben und lieber sein Bett aufzusuchen. Mit den behäbigen Bewegungen eines erschöpften Mannes stieg er aus dem Wasser, sich rasch mit dem Handtuch abtrocknend, bevor er es sich um die Hüften wand. Mit leisen Schritten tapste er barfuß die Treppe hinab in sein Schlafzimmer. Das einfache Nachthemd überstreifend trat er zum Bett und kroch unter die Decke, um schon bald ins Reich der Träume zu entschwinden.

Am nächsten Tag nahm er ein gemütliches Frühstück ein und verfasste dann den Brief an das Kontor, den er schon wieder viel zu lange vor sich hergeschoben hatte. Trotzdem guter Laune und in einfache, dunkle Reisegewänder gehüllt machte er sich auf den Weg zum Stall, wo Sean schon fleißig umher wuselte. Ambrose nahm dankend die Zügel seines Rosses entgegen und drückte Sean den Brief in die Hand. Er war zwar säuberlich mit Wachs verschlossen, dennoch prangte kein Siegel darauf. Auf solcherlei Zeichen seiner Familie hatte er noch nie viel Wert gelegt. "Bring diese Nachricht bitte zum Kontor, Sean, und warte dort bis man dir ein Antwortschreiben für mich reicht." Er hatte sich schon umgedreht um sich in den Sattel zu schwingen, da fiel ihm etwas ein und er wendete sich lächelnd wieder um. "Ach... und danke, dass du das Haus schon für meine Ankunft vorbereitet hast, gestern." Der Stallbursche nickte nur leicht. Er schien nie besonders gesprächig und viel eher zufrieden wenn er in seinem Reich, dem Stall, seinen Arbeiten nachging. Ambrose konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und war sich sicher, dass auch die Lippen des Jungen von einem Lächeln umspielt wurden. Unbehindert durch eine Rüstung schwang sich der alternde Krieger auch gleich weit gewandter in den Sattel. Sean öffnete das Tor und erwiederte Ambrose Abschiedsgruß, dem Krieger einen versonnenen Moment lang nachblickend, während dieser in schnellem Galopp rasch im Wald verschwand. Dann machte er sich jedoch sogleich selbst zur Abreise bereit um den Brief beim Kontor abzuliefern. Mit einem sachten Grinsen entschied er, keinen Proviant mitzunehmen. Nahm er doch an, dass er während der Zeit die er beim Kontor warten musste, gut versorgt werden würde. Und so verließ wenig später ein weiterer Reiter das Haus an der Küste und ritt gen Kontor.



Alra'han Pen Nar

Wenn Tjeika ihr Büro aufsucht liegt ein Bericht auf ihrem Schreibtisch. (22.10.2003, 10:10)

*Die Handschrift ist äußerst ordentlich und feingeschwungen, jedoch mögen an einigen Stellen leichte Zittrigkeiten bemerkbar sein.*

Wachbericht de Rekruten Alra'han Pen Nar: *Diese Zeile ist unterstrichen.*

Als ich meinen Dienst am Abend des 21. Tage des 10. Mondes antratt schien die Stadt zunächst ruhig. Doch als mich mein Rundgang durch die Straßen zu der Taverne Cavan's führte zogen unheilankündigende Wolken auf. Im Gebäude schließlich wurde ich merkwürdiger Vorgänge gewahr. Ungewöhnliche Schatten schatten schienen sich im Raum zu bewegen, doch so bald man sie sah waren sie auch wieder fort. Bald bemerkten auch die anderen Gäste der Taverne mit Schrecken diesen Spuk. Jene Schattenwesen wurden immer aufdringlicher und da sich ein Kind in unserer Gesellschaft befand beschlossen wir jenen Ort zu verlassen. Jeodch folgten uns jene Wesen auch nach draußen. Ihre Aggressivität nahm stetig zu und gipfelte schließlich in ANgriffen gegen einzelne Bürger. Eine Frau wurde vor meinen Augen niedergeschlagen, doch ich konnte das Schattenwesen zum Glück an weiteren Attacken hindern und so das Opfer (eine FRau, die so glaube ich zu den Dienern Layanteas gehört) vor weiterem Schaden bewahren. Einige Streiter verließen während dessen die Stadt um im Tempel der Goldglänzenden Schutz zu suchen. Der Kampf um vor Cavan's Taverne, in dem ich die Abzeichen der Drachenritter, Legion, Sturmritter und Wächter des Lichtes sah, währte nicht lang, da die Aggressoren alsbald verschwanden.

Aus den Reihen der Kämpen wurde der Verdacht geäußert, diese Vorkommnisse könnten mit den ungewöhnlichen Aktivitäten bei den Pentagrammen zusammen hängen. So machten wir uns denn auf den Weg zu dem Pentagramm vor Vespers Friedhof. Doch dort war alles still. Ich schlug dann vor nach der anderen Gruppe, welche sich zum Tempel begeben hatte, zu sehen. Und tatsächlich stießen wir dort wiederauf die Schattenwesen. Jene Kreaturen ließen sich nicht bekämpfen, da sie immer wieder ihre Form verloren und verschwanden. Es stellte sich jedoch heraus, dass jene Wesen den Shcrein der Ayanyeh nicht betreten konnten. Währenddessen betete ein Paladin der Goldglänzenden mit Namen Wilbur, so weit ich mich nicht irre, und bat Ayanyeh um ihren Beistand. er trat anschließend ins Freie und versuchte den Schattenkriegern Einhalt zu gebieten.

Ich sah einen der Schatten fallen, doch schon bald kamen zwei weitere Kreaturen auf den Shcrein zu, konnten jedoch von uns niedergeschlagen werden. Bei der Verfolgung eines weiteren Wesens erkannten wir dann, dass sich nahe des Schreines ein ähnlicher Riss gebildet hatte wie bei den Pentagrammen. Zunächst blieb dieser Riss jedoch ruhig, während wir von den Schattenkriegern mit Feuerwänden attackiert wurden. Nach einiger Zeit bildetetn sich Tentakelähnliche Dinge um den Riss, wohl als Schutz. Wir konnten ein Bündel dieser Tentakel vernichten, doch es wuchs nach und dann schienen unsere Waffen keinen Schaden mehr zu verursachen. Wenig später wurden wir von Horden von Schattenwesen bestürmt. Wir konnten etliche zu Fall bringen, doch ihre Reihen lichteten sich nicht. Immer neue Wesen erschienen, welche unterschiedlichster Art zu sein schienen in der Art ihres Kampfes. Jedoch teilten sie alle die schattenhafte Gestalt die es erschwerte sie zu treffen. Schließlich wurden wir auf den Schrein eingekreist und auch in diesem Kampfe sah ich wieder die Abzeichen der Drachenritter, Legion, Sturmritter und Wächter des Lichtes, außerdem auch das Zeichen der Rykarianer und einen Recken der Versammlung der Ewigkeit.

Den weiteren Verlauf des Kampfes vermag ich leider nur ungenau zu Papier zu bringen, da ich kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Wobei ich jedoch nicht sagen kann, was mich traf. Alsi ich wieder zu mir kam wurde ich von einer Dienerin der Layanteas versorgt, welche sogleich die starke Blutung an meinem Hinterkopf linderte und mir einen Verband anlegte. Wohl trug ich auch einige kleinere Verletzungen davon. Von dem Kampfgeschehen um mich herum vernahm ich nur wenig, da mich die Kopfverletzung soch arg beeinträchtigte. Ich ruhte einige Minuten, doch schließlich mussten wir fliehen. Selbst der geheiligte Ort der Goldglänzenen schien uns nicht mehr schützen zu können, drohten wir doch in Flammen zu vergehen. Denn im Gegensatz zu den dunklen Kreaturen konnten die Flammen sehr wohl in den Tempel dringen. Die Gruppe konnte sich zur Brücke von Vesper retten und diese auch vor dem Einfall der dunklen Kreaturen beschützen. Jedoch kann ich auch hier keine genauen Angaben machen. Zum einen verhinderte meine Verwundung meinen Einsatz mit dem Schwert, zum anderen hatte ich die Aufgabe übernommen mich um ein kleines Kind, mit Namen Johanna, zu kümmern.

Ich ließ das Kind schließlich von einem Wachsoldaten in Sicherheit bringen und bereitete die Bürger die sich zum kämpfen bereit erklärt hatten darauf vor notfalls die Stadt verteidigen zu müssen sollten die Krieger an der Brücke nicht standhalten können. Doch glücklicherweise blieb uns ein Einfall der Schattenwesen in die Stadt erspart, wurde mir doch zugetragen, dass wir zumindest in dieser Schlacht gesiegt hatten. Ein freundlicher Mann nahm sich nochmals meiner Wunde an und riet mir dennoch den Heiler aufzusuchen. Ich folgte seinem Rat und Aldiron übernahm die weitere Behandlung. Der Heiler riet mir mich für mehrere Tage von großem Kampfgetümmel fernzuhalten und wenn möglich nur leichten Dienst auszuüben.

Dem Ratschlag eines Mannes folgend möchte ich vorschlagen die Wachen an den Stadttoren in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen. So könnten wir die Stadt frühzeitig warnen sollte der Riss neben dem Tempel wieder Aktivität zeigen.

So sie weitere Erläuterungen benötigen werde ich mich natürlich sofort bei ihnen melden, doch hoffe ich, dass dieser Bericht Ihren Ansprüchen genügen wird.

Hochachtungsvoll

Alra'han Pen Nar
Rekrut der Stadtwache zu Vesper

Sorgsam legte der junge Mann den Bericht auf dem Schreibtisch der Kommandantin Deprevio ab und verharrte für einen Moment, bevor er sich seufzend umwendete um sein Quartier aufzusuchen. Er musste noch seine Rüstung säubern, war sie doch von getrocknetem Blut und einigen anderen Dinge bedeckt. Ja, das würde eine harte Arbeit werden. Auch den bestand seiner Bolzen musste er auffüllen, hatte er doch seinen Vorrat in der vergangenen Nacht verschossen. Es war ihm unangenehmerweis bewusst geworden, dass er noch viel Übung benötigte und das die einfache Rekrutenrüstung nur wenig Schutz im Kampfe bot. Seufzend setzte Alra'han sich auf sein Bett und ließ die Ereignisse erneut Revue passieren, doch auch dadurch wurden sie nicht angenehmer. Vorsichtig tastete er nach dem Verband den Aldiron ihm angelegt hatte und abermals seufzt er leise. Noch immer erfüllte ihn das Gefühl nicht genug getan zu haben, nicht verbissen genug gekämpft zu haben und die Schmach, dass er das Bewusstsein verloren hatte und nicht einmal wusste was ihn getroffen hatte. Doch jene Gedanken mussten nun erst einmal mit ihm ruhen. Zu müde war er, als dass er sich noch weiter auf den Beinen hätte halten können. Mühsam entledigte er sich des Restes seiner Rüstung und der Stiefel und legte sich auf die einfach Pritsche die sein Nachtlager war. Und kaum hatte er die Augen geschlossen war er auch schon in einen unruhigen Schlaf gefallen.


Palila dal Paquo

Noch eine unruhige Nacht (03.04.2002, 01:24)

Palila wälzte sich wieder hin und her. Sie konnte einfach nicht einschlafen. Immerzu musste sie an ihn denken. An seine Augen, sein wundervoll duftenes Haar, an seine starken Hände. Sie drehte sich noch einmal auf die andere Seite und starrte in das langsam verlöschende Feuer. Sie konnte seinen Geruch noch an ihrer Kleidung wahrnehmen. Er war so liebenswürdig und gütig. Sie spielte geistesabwesend mit der Kette die er ihr geschenkt hatte.

Sie wälzte sich noch einmal herum, doch es half alles nichts. Schließlich beschloss sie noch einmal aufzustehen und sich müde zu laufen. Petrusio, schon das zweite Pferd das er ihr geschenkt hatte, hob leicht den Kopf und sah sie mit seinen großen dunklen Augen fragend an. „Na gut, wenn du auch nicht schlafen kannst dann komm halt mit.“ Leise wanderten sie zu zweit durch den Wald. Es war ungewöhnlich still und Palila war beunruhigt. In letzter Zeit trieben sich im Herzogtum viele Gestalten aus dem Bund herum. Sie musste an ihre Begegnung mit den Bündlern und diesem Orken vor einigen Tagen denken. Sie hatten vor dem Friedhof gestanden und Palila hatte versucht so schnell wie möglich an ihnen vorbeizukommen doch sie hatten sie gestoppt. Zum Glück hatte der Ork nur wissen wollen ob sie ein „Fraihärr“ wäre und sei bei Verneinung der Frage gehen lassen.

Hatte sie ihm schon von dieser Begegnung erzählt? Sie seufzte leicht. Einen Moment lang hatte sie tatsächlich an etwas anderes gedacht, doch schon kehrten ihre Gedanken wieder zu ihm zurück. Sie hatte noch nie zuvor in ihrem Leben so viel Zuneigung für jemanden empfunden, so viel Liebe. Ja, sie liebte ihn über alles und sie konnte es nicht mehr leugnen.

Doch leise Zweifel nagten an ihr. „Bin ich in der Lage mich auf einen andern Menschen einzulassen?“ Sie hatte bis jetzt immer allein im Wald gelebt. War sie wirklich bereit dieses Leben zu teilen? Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Mit ihm ja. Mit ihm war sie bereit alles zu teilen. Sie hoffte nur das er für sie auch das gleiche empfand, dass er sie genauso innig liebte wie sie ihn.

Langsam spürte sie wie sich der Schleier der Müdigkeit auf sie legte. Sie sah sich um. „Na Petrusio, was meinst du? Das sieht hier doch wie ein guter Platz für den Rest der Nacht aus.“ Sie lehnte sich kurz an ihr Pferd seinen Hals kraulend und machte es sich dann auf dem weichen Gras gemütlich. „Ich hoffe wir können jetzt endlich schlafen.“ sagte sie gähnend mehr zu sich selbst als zu ihrem Pferd, drehte sich in eine bequeme Lage und schlummerte bald ein. Und ihr Traum handelte natürlich wieder von ihm.


Mühsam öffnete sie die Augen... (30.04.2002, 14:54)

... und versuchte sich blinzelnd zu orientieren. Sie lag eingerollt auf der Seite, noch voll in Rüstung. Nicht einmal die Handschuhe hatte sie ausgezogen. Neben ihr stand ein Pferd und an einer bestimmten Narbe in dem braunen Fell erkannte sie, dass es Petrusio war. Sie versuchte sich aufzurichten, aber ein brennender Schmerz in ihrer Seite ließ sie erstarren und sich zusammenkrümmen. Schwer keuchend versuchte sie erneut sich vorsichtig aufzurichten. Ächzend lehnte sie sich schließlich an den Baumstamm neben ihr und begann vorsichtig mit einer Hand nach der Wunde zu tasten. Sie erspürte die Stelle an der die Klinge durch ihre Tunika gefahren war, ein sauberer Schnitt. Vorsichtig, ihre Bewegungen in Zeitlupe vollführend, zog sie die Handschuhe aus und öffnete die Tunika. Versuchend sich so wenig wie möglich zu bewegen streifte sie die Tunika ab und öffnete den Verschluss der Armschützer um mit ihnen das gleiche zu tun. Sie verzog das Gesicht vor Schmerz als sie versuchte sich aus ihrem Leder-Bustier zu befreien. „Hmpf.“ entfuhr es ihr. Der Schnitt war sauber und tief. ‚Na, da habt ihr ja ganze Arbeit geleistet.‘ Dunkel begann sie sich an den vorigen Tag zu erinnern. Sie erinnerte sich daran, dass sie sich in ihrer Wut und Verwirrung den Verband den der Heiler so sorgsam angelegt hatte wieder abgerissen hatte. Ein großer Fehler wie sie schon gestern gewußt hatte und was sich nun deutlich in einer Schwellung und violetten Verfärbung um die Wunde zeigte. Sie versuchte den linken Arm möglichst still zu halten um die Wunde nicht weiter aufzureißen. Mit dem rechten Arm griff sie während dessen nach ihrem Rucksack und zog einige Verbände, Tücher und eine Kräuterpaste daraus hervor. Sorgsam säuberte sie die Wunde. Mit zusammengebissenen Zähnen legte sie vorsichtig aber dennoch sorgfältig einen neuen Verband an. Und diesmal hatte sie sicher nicht vor ihn wieder so gedankenlos abzureißen. Zumindest hoffte sie das.

Nachdem sie sich schließlich ein Hemd übergezogen hatte sah sie sich etwas genauer um. Petrusio trottete auf ein saftiges Büschel Gras zu und begann zu fressen. Sie war erstaunt wohin er sie gebracht hatte als sie sich umdrehte und den Baum des Lebens erkannte. Sie lehnte wieder an dem Baumstamm direkt an der Feuerstelle. Sie schluckte schwer als sie an den vergangenen Tag dachte, den Schmerz den sie Escander zugefügt hatte. Seufzend schloß sie die Augen und die zusammengekrümmte Gestalt die eine ganze Weile vor ihr gehockt hatte erschien vor ihrem innneren Auge. Sie hatte Angst gehabt es ihm zu sagen, hatte zuerst beschlossen es ihm niemals zu erzählen, aber sie konnte ihm das einfach nicht verschweigen, zu schwer lastete es auf ihr. Sie hatte Angst gehabt, dass Escander sie vielleicht anschreien oder schlagen würde in seiner Wut, aber das hatte er nicht. Er hatte die meißte Zeit noch nicht einmal wütend sondern eher verletzt und verzweifelt geklungen, hatte sich auf dem Boden zusammengekrümmt. Ihr Herz zerriss noch immer fast vor Schmerz. Sie hatte ihm gesagt, dass er sie hassen würde, aber er hatte sie nicht angeschrien, sie nicht verflucht, kein deutliches Zeichen von Hass gezeigt. Nur den Grund hatte er wissen wollen, doch den konnte sie ihm nicht nennen, so sehr sie auch wünschte sie könnte es. ‚Warum? Warum nur?‘ Seine Worte hallten in ihren Ohren. Sie zog die Knie an und ließ den Kopf darauf sinken, ein plötzlicher Schmerz wieder ihre Seite durchfahrend. Doch im Moment war der seelische Schmerz zu groß als das sie den körperlichen wahrnehmen würde. Sie hatte ihn mehrmals gefragt, ob sie gehen solle, wollte ein klares Zeichen, ob er sie noch um sich haben wollte oder nicht. Schließlich hatte er gesagt, dass er allein sein wolle, um darüber nachzudenken. Wie ein Dolch-Stoß war dieser Satz durch ihr Herz gedrungen, obwohl er jedes Recht dazu besaß und obwohl sie selbst seine Nähe in jenem Moment auch nicht mehr ertragen hätte. Oh ja, sie liebte ihn zwar und war überglücklich wenn er bei ihr war, aber sein Anblick in diesem Moment, so verletzt, so hilflos, sie konnte nicht ertragen, dass sie die Schuld daran trug. Also war sie gegangen.

Sie war nach Vesper geritten, hatte sich auf den Weg zur Bank gemacht ohne wirklich zu wissen was sie dort wollte. Doch im Stall von Vesper hatte sie ein herumstreunendes Pferd angetroffen und beschloss zu versuchen es zu zähmen. Sie hatte die Leute um sich herum kaum wahrgenommen. Erst als das Pferd aus dem Stall gelaufen war und sie jemand ansprach sah sie auf. Sie hatte ihn in ihrer Verwirrung erst nicht erkannt, doch mittlerweile glaubte sie, dass es dieser Esteban Morreco war, den sie schon einige Tage zuvor unter ähnlich schlechten Umständen getroffen hatte. Er hatte sich groß aufgespielt ‚Ihr müsst ihm etwas zu essen anbieten. Ihr müsst euch die Tiere vorher immer anschauen bevor ihr versucht sie zu zähmen.‘ Als ob sie das nicht wüsste und nicht schon längst getan hätte. Und schon hatte der große Tierzähmer das Pferd gezähmt. ‚Na dann eben nicht.‘ dachte sie sich resigniert und machte sich wieder auf den Weg zur Bank als dieser unsensible Kerl irgendetwas davon erzählte, dass pferde wie Frauen waren. Das war zuviel für sie. Sofort musste sie Wieder an das Gespräch mit Escander denken und krümmte sich schluchzend am Zaun zusammen. Ihre Gedanken hatten gerast. Sie sah Escanders Gesicht vor ihrem inneren Auge, sah den Schmerz, die Enttäuschung in seinen Augen. Nach etlichen Minuten des Dasitzens und Schluchzens hatte sie sich langsam hochgerappelt und war zur Bank gestolpert. Dort hatte sie aber nur Unschlüssig herumgestanden und hatte die Bank schließlich ohne ein Wort verlassen.

Sie fühlte sich so verwirrt, so völlig durcheinander. Was sollte sie jetzt tun? Würde Escander sie noch lieben können nach alledem was sie ihm angetan hatte? Tiefer und tiefer nagte sich der Zweifel in ihre Seele. Ihr kopf und ihr Herz schienen anzuschwillen und platzen zu wollen. Sie wollte laut schreien, aber sie fand nicht die Kraft dazu. Sie sah wie sich ihre Füße über den steinernen Marktplatz bewegten, aber sie konnte ihren Körper kaum noch zu spüren, als würde sie über sich selbst schweben. Vor einem der Bäume blieb sie stehen und starrte auf die knorrige Rinde. Ein Gedanke schoß durch ihren Kopf, wenn sie zum Denken denn überhaupt noch in der Lage war. Ihre Hand glitt zu dem Dolch an ihrem Gürtel. Langsam umklammerte ihre Hand den Griff und zog die kurze Waffe aus ihrer ledernen Scheide. Völlig ruhig hielt sie die Klinge vor sich, auf das matte Metall starrend. Sie dachte an den Wald mit seiner wunderbaren Ruhe, aber durch ihren Verrat hatte sie sich das Recht verwirkt dort sterben zu dürfen. Immer noch vor dem Baum kniend rammte sie sich die scharfe Klinge in den Bauch.

Sie spürte eine Hand nach ihr greifen und sah auf. Esteban. Zornig fauchte sie ihn an, wobei es in Wirklichkeit wohl nur ein kraftloser Versuch war zu fauchen. ‚Lasst mich!‘ Sie versuchte aufzustehen aber ihre Beine schienen dem Befehl nicht mehr so recht zu gehorchen. Jedoch spürte sie wie Esteban sie aufrecht hielt. Er besah die Wunde und sie hörte seine ärgerliche Stimme: ‚Na, da habt ihr ja ganze Arbeit geleistet.‘ Sie fühlte wie ihre Beine den Boden verließen und strampelte kraftlos als Esteban sie auf ihren Rücken hob. Er trug sie zum Heiler und ließ die Wunde von Aldiron verbinden. Sie hatte aufgegeben sich zu wehren und wimmerte nur noch vor sich hin. Nachdem Aldiron seine Arbeit sorgfältig beendet hatte beugte sich Estenban zu ihr herunter und flüsterte, dass sie überhaupt keine Ahnung hätte was Schmerzen seien. Sie vernahm die Worte über seine tote Frau und seine Kinder, aber sie wollte sie nicht hören. Sie versuchte ihn wegzustoßen und aufzustehen, aber ihre Beine wollten sie noch nicht tragen und sie fiel auf den Boden vor dem Bett. Esteban ging um das Bett herum und bot ihr seine Hand an, doch sie blieb nur auf dem Boden sitzen zu kraftlos um irgendetwas zu tun. ‚Nehmt sie und lasst mich euch aufhelfen.‘ Sie schloß müde die Augen. ‚Warum?‘ war das einzige was sie mit heiserer Stimme herausbrachte. ‚Fragt euch das nicht. Es gibt keine Antwort.‘ Seine Stimme war plötzlich sanft und warm, aber sie konnte sich nicht dazu aufraffen nach seiner Hand zu greifen. Lethargisch starrte sie auf den Boden und er ließ seine Hand sinken. Ein dichter Nebel schien sich um sie zu legen und seine Worte drangen kaum noch zu ihr. Erst als sie hörte ‚Das ist er nicht wert.‘ murmelte sie ein leises ‚Doch das ist er.‘ Ohne sie anzusehen sagte Esteban im Rausgehen ‚Das war meine Frau auch nicht.‘ Sie hob den Blick und sah ihm verwirrt mit zusammengekniffenen Augen nach. Das war seine Frau auch nicht? Ihre Verwirrung wurde immer stärker. Was hatte er damit gemeint? Hatte er seine Frau nicht geliebt? Sie schüttelte den Kopf sich von ihren durcheinander gewirbelten Gedanken zu befreien versuchend. Wut stieg in ihr auf, Wut auf sich selbst, Wut darüber, dass sie sich selbst nicht verstand. Der Wunsch danach laut zu schreien kehrte wieder zurück. In ihrem Zorn riss sie sich den Verband von der Wunde und keuchte schwer als ein heftiger Schmerz ihren Körper durchfuhr.

Eine ganze Weile saß sie einfach nur so da und starrte auf den Boden bis sie sich schließlich langsam aufrappelte und zum Ausgang stolperte. Der Weg zum Stall kam ihr plötzlich ewig weit vor. Der Schmerz pochte in ihrer Seite und sie musste sich an einem der Brückengeländer festhalten um nicht zusammenzubrechen. Kalter Schweiß stand in ihrem Gesicht und sie klammerte sich so fest ans Geländer, dass die Fingerknöchel weiß hervor traten. Nach einigen Minuten des Innehaltens bewegte sie sich ächzend und keuchend weiter. Nach einiger Zeit, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, erreichte sie den Stall und lehnte sich an ihr Pferd. Sie murmelte leise in Petrusios Fell und der schnaubte als Antwort und stützte sie ruhig. Dann zog sie sich schwerfällig und keuchend auf seinen Rücken, mehr liegend als sitzend. Petrusio trabte fast von allein los und trug sie aus der Stadt, fort von den Steinen und den Mauern, hinein in ihren geliebten Wald. Beim Baum des Lebens stoppte er und sie fiel mehr von seinem Rücken als das sie herabstieg. Auf dem weichen Gras rollte sie sich zusammen und fiel wimmernd in einen unruhigen Schlaf.

Sie beobachtete mit trüben grünen Augen wie Petrusio zu der kleinen Wasserpfütze trottete und trank. Sie dachte wieder an Escander. Konnte er sie noch lieben? Sie fühlte sich so ratlos und verloren. Sie atmete schwer aus und sah zum Himmel. Die Dunkelheit legte sich langsam über den Wald und ihr Magen verlangte knurrend nach Nahrung. Seufzend schüttelte sie den Kopf und lehnte den Kopf wieder an den Baumstamm. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis und sie fühlte Übelkeit in sich aufsteigen. ‚Warum?‘ Diese Frage spukte durch ihren Geist. Was fühlte sie für Escander? Was fühlte sie für Hexagor? Was fühlte Hexagor für sie? Sicher hatte sie auch ihn verletzt. Ihr Magen drehte sich um und ihr Herz fühlte sich an als wolle es jeden Moment zerspringen. Sie fühlte sich so ratlos, so hilflos, so schwach, so verwirrt, so müde. Sie wollte wieder schreien, doch sie fand nicht die Kraft dazu. Resignierend ließ sie den Kopf wieder auf die Knie sinken und einige Tränen rannen ihre Wangen herunter. Mit schmerverzerrtem Gesicht schloß sie die Augen und klammerte sich an sich selbst fest. Sie wünschte sich so sehr, dass jemand zu ihr kommen und sie trösten würde doch genauso sehr wünschte sie sich Einsamkeit und nie wieder einen Menschen zu sehen.

Sie ließ sich auf die Seite fallen, die Zähne zusammenbeissend als der Schmerz wieder ihren Körper durchzuckte. Sie versuchte erfolglos die Erinnerung an den vergangen Tag zu verdrängen bis sie schließlich wieder in einen unruhigen Schlaf fiel. Es waren die üblichen Alpträume die sie heimsuchten, von dem Mann mit den fesselnden Augen und der samtenen Stimme der sie verfolgte. Der einzige Unterschied war, dass sie diesmal die Gesichter der Menschen die um sie herum starben erkennen konnte, sie trugen alle das Antlitz von Escander oder Hexagor.


Angst die Augen zu schließen, Angst einzuschlafen (07.05.2002, 08:36)

Keuchend rannte sie durch den Wald. Das Mädchen mit dem sie flüchtete strauchelte immer wieder und mehrmals musste sie ihr aufhelfen. Sie hatte etwas angestellt doch Palila wusste nicht so recht was und im Moment interessierte sie das auch nicht besonders. Alara war ihre Freundin und sie musste sie in Sicherheit bringen. Den Mann, der ihnen geholfen hatte, hatten sie schon vor einer ganzen Weile im dichten Wald verloren, aber der andere Mann war noch dicht hinter ihnen. Sie mussten weiter. Sie zog Alara mit sich, in der Hoffnung ein sicheres Versteck zu finden. Sie blickte sich immer wieder um, mit ängstlichen Augen den Wald absuchend. Nach einiger Zeit, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, war sie sich sicher, dass sie es geschafft hatten. „Dort!“ Ein dünner Arm reckte sich der kleinen, versteckten Hütte entgegen. Musternd glitt ihr Blick über das kleine hölzerne Gebäude. Sie lauschte. Doch außer dem Keuchen des Mädchens und ihrem eigenen rasselnden Atem vernahm sie nur die normalen Geräusche des Waldes. „Ja. Das wird gehen. Ich glaube nicht, dass er uns dort findet.“ Vorsichtig näherten sich die beiden wankenden Gestalten der kleinen Bretterbude. Die Tür war nicht verschlossen und so schlüpften die beiden hinein. Von draußen hereingewehte Erde und Blätter bedeckten den Boden und was an Mobiliar vorhanden war war zumeist schwer beschädigt durch Witterung und die Tiere des Waldes. Palila breitete ihren löchrigen Umhang auf dem Boden aus und ließ Alara es sich darauf so gemütlich machen wie es unter diesen Umständen möglich war. Dann legte sie sich ebenfalls auf den kalten Boden und kuschelte sich eng an ihre Freundin um wenigstens etwas Wärme zu wahren. Erschöpft viel sie recht bald in einen unruhigen Schlaf.

Von den ersten zarten Sonnenstrahlen geweckt schlug Palila die Augen auf. Unsicher sah sie sich um, konnte jedoch nur Alaras schlafende Gestalt sehen. „Alara. Wach auf. Wir müssen weiter.“ Leise flüsterte sie in ihr Ohr. „Mh.“ Alara drehte sich brummelnd um und öffnete schließlich langsam blinzelnd die Augen. Als sie sich umsah erinnerte sie sich wieder an ihre vorangegangene Flucht und ihr Gesicht nahm einen Ausdruck von Hilflosigkeit, ja beinahe schon Verzweiflung an. „Aber...“ stammelte sie. „Wo sollen wir denn hin?“ Ihre Stimme schien fast zu zerspringen. Palila zuckte nur leicht mit den Schultern, nicht wissend was sie sagen könnte um sie zu trösten und zu beruhigen. Sie zog Alara hoch und nahm den Umhang auf. „Hauptsache weg von hier.“ murmelte sie leise. Einen Moment stand sie unschlüssig im Raum. Dann ging sie mit einem tiefen Seufzer auf die Tür zu. Doch was sie beim öffnen der Tür erblickte war keineswegs das was sie erwartet hatte. „Hiergeblieben!“ Ihr Verfolger versperrte den Weg in die Freiheit. „Setzt euch.“ Die Stimme war freundlich, aber forderte dennoch Gehorsam. Die beiden gehorchten zögernd, die beiden am wenigsten beschädigten Stühle suchend. Ihr Verfolger folgte ihnen langsam und nahm ebenfalls platz. Hellblaue Augen musterten die beiden und kamen schließlich auf Palila zum Ruhen. „Du macht dir unnötig Probleme indem du ihr hilfst. Seid doch brave Mädchen und kommt ohne Widerstand mit, dann wird man euch nochmal verzeihen.“ Die Stimme klang sanft, doch Palilas Ohren hatten diese Art von Stimme schon oft genug gehört um den drohenden, gefährlichen Unterton darin wahrzunehmen. Sie biss die Zähne fest zusammen. Sein Blick ruhte immer noch auf ihr. Musternd. „Du bist jemand mit Möglicheiten wenn ich mich recht erinnere.“ Die Stimme nahm einen verhörenden Ton an. Alara sah sie etwas ratlos an, nicht verstehend. Aber Palila wusste was er damit meinte. „Aber ich kann die Kräfte nicht einsetzen.“ „Es geht nicht darum, ob du sie einsetzen kannst sondern darum, dass du sie hast!“ Seine Stimme nahm einen bedrohlichen Klang an und die blauen Augen funkelten sie gefährlich an. Er stand auf und sein Blick wanderte zu Alara. Ein fieses Schmunzeln schlich sich auf seine Züge. „Dann machen wir doch mal ein kleines Experiment, ob du die Wahrheit sagst. Du wirst deine Freundin sicherlich nicht leiden lassen, wenn du ihr helfen könntest.“ Palila blickte ihn verwirrt an, nicht verstehend wovon er sprach. Sein Arm riss Alara von ihrem Sitzplatz und die Faust des anderen sauste auf ihr Gesicht zu. Blut rann aus Alaras Nase und Palila verstand. Aber trotzdem war sie hilflos. Die Faust raste wieder auf Alara zu, die von der Wucht getroffen zu Boden fiel. Ihr Peiniger begann auf das hilflose Mädchen einzutreten. Palila stand wie gelähmt daneben, nicht fähig ihrer Freundin zu helfen. „Hören sie auf! Ich habe ihnen die Wahrheit gesagt.“ Verzweifelt kreischte sie ihn an. „Ich kann ihr nicht helfen.“ Die letzten Worten kamen fast gewimmert hervor. Der Mann ließ von seinem Opfer ab und wand sich zu ihr um. Seine Augen musterten sie, nahmen die Verzweiflung in ihren Zügen und die Tänen auf ihren Wangen war und schweiften dann wieder zu der zusammengekrümmten Gestalt neben ihnen zurück. Mit einem zufriedenen Lächeln trat er einen Schritt zurück, ihr Zugang zu der leblos wirkenden Alara gewährend. Palila kniete sich neben ihre Freundin. Sie schütelte sie sanft. „Alara? Kannst du mich hören?“ Doch sie gab keine Reaktion von sich. Blut rann aus ihrem Mund und der Nase. „Alara? Bitte gib mir ein Zeichen, dass du mich verstehst.“ Die Tränen rannen ihre Wangen hinab und die Augen suchten verzweifelt nach einer Reaktion. Doch der Körper vor ihr blieb leblos zusammen gesackt. „Du kannst ihr also wirklich nicht helfen.“ Die Zufriedenheit in seiner Stimme verursachte ein Gefühl von Übelkeit in ihr. Doch es war nicht die Stimme ihres Verfolgers. Sie blickte auf und erschrak als sie ein ihr bekanntes Gesicht erkannte.

„Hexagor...“ stammelte sie. Sie blickte wieder auf den leblosen Körper, dessen rotes Haar nun eine schwarze Färbung angenommen hatte. Verwirrt sah sie in seine toten, grauen Augen. „Was...?“ Ihre Stimme wurde von Tränen und Übelkeit erstickt. „Das hast du ihm angetan. Du hast ihn umgebracht.“ Flüsternd drang die Stimme in ihr Ohr. Er stand nun direkt über ihr und sie konnte seinen Atem auf ihrem Hals spüren. Fassungslos starrte sie auf den Körper neben ihr. Sie streckte eine Hand aus und berührte sein Gesicht. Die Kälte der Haut ließ sie zurückschrecken. Langsam legten sich Hände auf ihre Schultern, verweilten dort für einen Moment und wanderten dann ihre Arme entlang. Sie erstarrte, ihr Atem durch ihre Lungen rasend. „Hexagor...nicht.“ Sie wandte sich halb zu ihm um die Hände abwährend heben. Bei dem Anblick der sich ihr bot weiteten sich ihre Augen vor Angst. Sein Körper war über und über mit schwarzen Malen bedeckt. Panik erfasste sie und sie versuchte sich hochzurappeln. Eine Hand griff nach ihr und zog sie wieder auf den Boden. Sie stieß Hexagor von sich, aber es war nicht seine Hand die sie auf den Boden gezogen hatte. Erschrocken blickte sie in das zur Fratze verzogene Gesicht von Escander. Sie wollte schreien, aber jegliches Geräusch erstarb in ihrer Kehle als sich Escanders Hände um ihren Hals legten. Der Druck seiner Hände nahm immer mehr zu und sie begann verzweifelt zu strampeln. Blindlings schlug sie um sich, nicht darauf achtend was sie traf. Als sie fühlte wie sich das kalte Fleisch um ihren Hals löste, krabbelte sie nach Luft ringend weg. Ihr Hals fühlte sich schrecklich an und nur schwerlich fand die Luft ihren Weg in die Lungen. Doch sie konnte sich jetzt keine Ruhe gönnen. Laut knurrend stürzte sich Escander auf sie. Sie hob die Hände abwehrend und murmelte mit letzter Kraft „Vas Flam.“

Leblos fiel der Körper ihres Angreifers auf den mit Dreck bedeckten Boden. Mit aufgerissenen Augen, unfähig zu handeln, beobachtete Palila wie das Feuer des Mannes den sie liebte verzehrte. Dann umschloss sie plötzliche Dunkelheit. Panik durchdrang jede einzelne Faser ihres Körpers. Wieder hob sie die Hände leise murmelnd „In Lor.“ Doch diesmal geschah nichts. „Du kannst es also doch.“ Unheimlich drang die Stimme aus der Schwärze in ihr Ohr. Plötzlich fühlte sie dicht bei sich einen weiteren Körper. Bestimmend aber doch fast sanft drückte der Mann sie an sich. Sie fühlte seinen Kopf an ihrer Wange, spürte seinen Atem auf ihrer Haut und hörte seine Stimme tief in ihrem Inneren. Vor Angst erstarrt, wagte sie nicht zu sprechen. Seine Stimme war ihr nur allzu gut bekannt. Das Bild eines Augenpaars formte sich in ihrem Kopf. Und obwohl sie aufgrund der absoluten Schwärze nichts sehen konnte, wusste sie doch, dass sie in diesem Augenblick in jene Augen blickte. Langsam bahnten sich Hände ihren Weg von ihren Schultern zu ihrem Rücken. Sie zuckte, wollte sich wehren, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht. Sie spürte die Hände sanft ihren Rücken hinab wandern, spürte seinen sich an sie pressenden Körper. Sie schluckte, wollte schreien, doch brachte nur ein Krächzen hervor. Sie fühlte die Tränen wieder ihre Wangen hinab rinnen, fühlte seine Lippen auf ihrer Haut, fühlte wie sich eine Hand unter ihr Hemd schob, hörte den schneller werdenden Atem ihres Gegenübers. „Sag mir was du weißt.“ Kaum hörbar wanden sich die Worte in ihren Kopf, wickelten sich um ihre Sinne. Innerlich schrie und strampelte sie, aber ihr Körper gab keine Reaktion von sich. Fordernd strichen seine Hände weiter über ihre Haut, seine Lippen den Hals hinab wandernd. Sie versuchte den dicken Kloß in ihrem Hals hinab zu schlucken und zu sprechen. „Ich... Ich weiß nichts.“ Ihre Stimme war nur ein Krächzen, keuchend hervorgepresst.

„Lüg mich nicht an.“ Die Stimme wurde bedrohlich und für den Bruchteil eines Moments bohrten sich seine Finger schmerzhaft in ihren Rücken. Sie fühlte sich vollkommen hilflos, sie wusste, dass er in diesem Moment absolute Macht über sie besaß. Aber so einfach wollte sie nicht aufgeben, so einfach durfte sie nicht aufgeben. Schnaufend versuchte sie ihn wegzudrücken. Ihre Muskeln begannen wieder ihr zu gehorchen, doch er presste sie nur stärker an sich, hielt ihre Hände auf dem Rücken zusammen. Die Dunkelheit lichtete sich um sie herum und sie konnte seine Augen erkennen. Die grün-braunen Augen funkelten bedrohlich und verfärbten sich unheimlich dunkel. „Überleg es dir gut. Ich könnte sanft sein, aber wenn du dich wehrst...“ Er brauchte den Satz nicht zu Ende sprechen, sie wusste was die Konsequenz war. Schwer atmend biss sie die Zähne zusammen und versuchte erneut sich aus seiner Umklammerung zu befreien, wohl wissend, dass sie keinen Erfolg haben würde. All ihre Panik und Hilflosigkeit floss in ihre Befreiungsversuche. Aber es konnte ihr nicht helfen. Seine Augen verdunkelten sich zu tiefer Schwärze und blickten sie verärgert an. Und dann fühlte sie nur noch Schmerz. Unerträglichen Schmerz, der sie beinahe das Bewußtsein verlieren ließ. Aber nur beinahe. Solch eine Gnade wollte er ihr noch nicht gewähren. Dunkelheit und Schmerz erfüllten sie vollkommen, umnebelten ihre Sinne, pulsierten in jedem Muskel. Die Pein drohte ihr Fleisch aufzulösen. Plötzlich hörte sie weitere Stimmen und ebenfalls bekannte. Mühsam öffnete sie die Augen und erkannte Escander und Hexagor. Escander legte die Armbrust und schoss einen Bolzen auf ihren Peiniger. Doch dieser schmunzelte nur und fegte Escander mit einer Handbewegung beiseite. Hexagor sah ihn unbeirrt an, sein Körper immer noch von den Malen gezeichnet, hob die Hände und sprach mit klarer Stimme „Kal Vas Flam.“ Jedoch ging das Feuer nicht auf Palilas Peiniger nieder, sondern auf Hexagor selber. Der Geruch von verkohltem Fleisch drang an ihre Nase. „Nein!“ Hilflos schrie sie und versuchte sich zu befreien, ihren Peiniger von sich zu stoßen. Doch sein Griff wurde nur fester. Immer enger drückte er sie an sich bis sie nicht mehr atmen konnte. Und wieder durchzuckten Wogen von Schmerz ihren Körper. Sie bemühte ihre letzten Kräften, bäumte sich immer wieder gegen ihn auf, aber ihr Strampeln ging mehr und mehr in ein unkoordiniertes Zucken über.

Plötzlich spürte sie wie etwas hartes auf ihren Körper schlug und riss die Augen auf. Ängstlich sah sie sich um, ihr Körper nur ein dumpfes Anhängsel ihres Geistes. Ein Gefühl von Kälte und Schmerz pochte durch ihre Muskeln und ihr Fleisch. Immer noch von Panik erfasst sah sie sich um und erkannt, dass sie, abgesehen von ihrem schwarzen Hengst und einiger Waldtiere, völlig allein war. Langsam kehrte das Gefühl in ihren Körper zurück und sie setzte sich zitternd auf. Sie sah immer noch die gefährlich blitzenden schwarzen Augen vor sich, fühlte immer noch die Hände über ihre Haut wandern, hörte die samtweiche und doch zugleich herzlos kalte Stimme. Ihr Atem wanderte immer noch schwer durch ihre Lungen und sie war schweißüberströmt. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, ihre Gedanken rasten nur ziellos umher. ‚Das war viel zu real.‘ ‚Schmerz.‘ ‚Escander.‘ ‚Diese Augen.‘ ‚Diese Stimme.‘ ‚Hexagor.‘ ‚Übelkeit.‘ ‚Verzweiflung.‘ ‚Alara.‘ ‚Blut.‘ ‚Der Tod ist Erlösung.‘ Sie biss die Zähne zusammen, ihr Atem immer noch rasselnd, und lehnte sich zitternd gegen den Baumstamm. Ihr Blick fiel auf den Apfel der sie geweckt hatte. Leise murmelte sie: „Ich danke dir Murranagh.“ Dann wanderte ihr Blick hinauf in die Dunkelheit. Der Mond stand immer noch am Himmel und die Sonne würde noch eine Weile auf sich warten lassen. Sie schluckte schwer und versuchte sich zu beruhigen. ‚Panik hilft dir jetzt auch nicht weiter. Du musst wach bleiben dann kann er dir nichts tun.‘ Sie atmete tief durch und blickte abermals zum Himmel. „Beeil dich Sonne.“ Bat sie leise flehend. Dann sah sie sich um, nach einer Beschäftigung suchend. So selten wie möglich blinzelnd, denn sie hatte Angst die Augen zu schließen, Angst einzuschlafen.


Verwirrung, Träume und Gedanken (17.05.2002, 02:23)

Für einen Moment starrte sie stumm auf den gepflasterten Boden des Marktplatzes von Vesper. Ein starkes Gefühl des Unbehagens kam in ihr hoch. Sie musste raus hier. Raus aus dieser Stadt. Weg von diesem Ort voller künstlich zusammengehaltener Steine. Weg von diesem Ort der ihr alle Kraft raubte. Schnellen Schrittes eilte sie zum Stall, band ihr Pferd los und sprang mit einem Satz auf seinen Rücken. Ein leichtes drücken ihrer Schenkel ließ den schwarzen Hengst lostraben. Sie lenkte ihn über den Marktplatz, durch das Stadttor hinaus in den Wald. Langsam schwand das Gefühl des Unbehagens, aber es schwand nicht ganz. Die Bäume um sie herum, die Erde unter den Hufen ihres Pferdes, die heimischen Geräusche der Tiere, all dies erfreute ihr Herz und doch saß ein Kloß in ihrem Hals. Ihr Roß galoppierte unermüdlich weiter, bis sie schließlich über den Wipfeln der Bäume eine sehr viel größeren Baum sehen konnte. Ihr Hengst verlangsamte seine Schritt und blieb schließlich neben dem Baum des Lebens stehen. Für einen Augenblick verharrte sie auf seinem Rücken und glitt dann langsam herunter. Vorsichtig schritt sie auf den riesigen Baum zu und kniete sich direkt davor nieder. Sie schloss die Augen und legte die linke Hand auf den Stamm, als wolle sie sich davon überzeugen, dass er auch wirklich da war, dass die Welt um sie herum wirklich existierte. Tief zog sie den Atem ein, den Duft des Waldes.

Eine ganze Weile kniete sie so da, die Gedanken in ihrem Kopf durcheinander rasend. Nach einiger Zeit öffnete sie die Augen langsam wieder, blinzelnd kehrte sie aus dem Labyrinth ihrer Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Ein matter Schleier hatte sich über ihre dunkelgrünen Augen gelegt. Sie fühlte sich müde und erschöpft. Langsam fast schon wankend erhob sie sich und legte ihre Lederrüstung und ihre Waffen ab. Sorgsam legte sie alles auf einen Haufen und trat dann zum Feuer. Sie ließ sich auf einem der Stämme nieder und richtete den Blick in die Flamme. Die Gedanken schlugen wieder Purzelbäume in ihrem Geist. Sie musste über so vieles nachdenken. Über die Trennung von Escander. Über Hexagor. Und nun auch noch über die Worte von Esteban. Sie fühlte sich so verwirrt, so durcheinander. Wenn sie sich ablenkte war das Leben halbwegs zu ertragen. Sie versuchte sich auf ihren Dienst an Murranagh zu konzentrieren, auf den Kampf gegen Untote und die Teufel des Waldes. Doch sobald sie etwas zur Ruhe kam, kehrten die Gedanken und Gefühle zurück. Sie wusste nicht was sie für Hexagor empfand, geschweige denn was er für sie fühlte. Immer noch sah sie Escanders Gesicht vor sich und sie sprürte wie sich die Liebe für ihn kaum merklich in Hass wandelte. ‚Das darfst du nicht geschehen lassen!‘ Seine Worte hatten sie so verletzt und nur die Gefühle von Scham und tiefer Schuld hielten die Wut die tief in ihr brodelte zurück. Ihr ganzer Körper fühlte sich an als wolle er anschwillen und platzen. Ihre Glieder und ihre Seele schmerzten und sie wusste nicht was sie dagegen tun konnte.

Einsamkeit. Eine Träne bahnte sich langsam den Weg von ihrem Augenwinkel, die Wange hinunter bis zum Kinn um schließlich auf ihr Hemd hinabzutropfen. ‚Wie diese einzelne Träne in der Hitze des Feuer vertrocknet, so wird auch von mir nichts bleiben wenn ich gehe, außer der blassen Erinnerung.‘ Eine weitere Träne folgte der ersten und noch viele weiter in den folgenden Stunden. Doch sie alle vertrockneten schnell so nah am Feuer. Palila ließ den Kop in die Hände sinken und schluchzte leise bis sie keine Tränen mehr hatte die fließen konnten. Sie ließ sich vom Baumstamm ins Gras fallen und rollte sich auf dem weichen Erdboden zusammen. Leise wimmern schlief sie ein, sich im Schlaf immer wieder hin- und herwälzend. Ab und an konnte man ein Aufstöhnen oder leises Gemurmel vernehmen, aber außer einigen Tieren war niemand da der es hätte wahrnehmen können. PeVenom trat besorgt etwas näher, sie mit seiner weichen Schnauze sanft anstubsend. Doch zu tief war der Schlaf und zu quälend die Träume als dass sie ihn wahrgenommen hätte. In ihrem Geist, gefangen in den Wirren seiner selbst und der Macht der Alpträume, herrschte absolute Dunkelheit.

Leise murmelte sie einige Worte und wartete darauf, dass sich alles erhellte. Doch statt dessen hörte sie nur eine Stimme aus der Dunkelheit. „Funktioniert es nicht? Das ist aber ganz unglücklich.“ Ein bedrohlicher Unterton schwang in der tiefen, samtenen Stimme mit. Ihre Hand tastete zum Gürtel, doch sie fand den Beutel mit ihren Ingredenzien nicht an seinem üblichen Platz vor. Verwirrt versuchte sie irgendetwas durch die Dunkelheit zu erkennen, aber sie konnte nicht einmal sagen aus welcher Richtung die Stimme gekommen war. Plötzlich spürte sie Hände auf ihrer Schulter. Ihre Muskeln spannten sich. „Na, du bist aber ganz schön verspannt. Das sollten wir unbedingt ändern.“ Sanft begannen die Finger der fremden Hände über ihre Schultern zu kreisen. Sie kannte die Stimme und wusste, dass sie ihr viel zu nah war. Sie wollte sich von seiner Berührung lösen, aber er verstärkte seinen Griff nur je mehr sie versuchte von ihm loszukommen bis sich seine Finger schließlich schmerzhaft ihn ihren Nacken bohrten. Ihr Atem raste rasselnd durch ihre Lungen. Panik stieg in ihr auf. „Warum wehrst du dich? Du brauchst keine Angst zu haben. Ich will nur, dass du mir einige Fragen beantwortest.“

Mit einem Blitz kam Licht in den Raum. Palila konnte die gemauerten Wände, die Banner, einen großen Tisch und einige Stühle erkennen, bevor er sie langsam zu sich drehte und sie gezwungen war in sein Gesicht zu blicken. Seine grün-braunen Augen blickten stechend auffordernd in die ihren. „Du musst mir nur einige ganz einfach Fragen beantworten.“ Sie versuchte sich wieder wegzudrehen, sich aus seiner Umklammerung zu lösen. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen wie es dunkel in den Augen ihres Gegenübers aufflammte. Dann nahm sie nur noch Schmerz wahr. Durch den Nebel des Schmerzes versuchte sie sich zu orientieren. Mit einer Hand tastete sie vorsichtig nach ihrem Oberschenkel. Warmes Blut rann über ihre Finger und den ganzen Oberschenkel. Sie hörte ihren eigenen keuchenden Atem und spürte wie sie ihre Zähne vor Schmerz zusammenbiss bis sie dachte, dass ihre Kiefer zerspringen würden. Durch den Nebel der Pein nahm sie vage wahr wie sich eine Gestalt zu ihr hinunterbeugte und leise in ihr Ohr flüsterte „Lass mich dir helfen.“ Samtend, tief und sanft verführte die Stimme sie fast dem Sprecher zu vertrauen. Doch als sich der Schleier der ihre Augen und ihren Geist vernebelte sich etwas lüftete und sie die Augen erkannte die auf sie hinabsahen spannte sie jeden Muskeln in ihrem Körper und sammelte ihre letzte Kraft um ein heiseres „Nein.“ hervorzubringen.

Wieder blitzte es in den grün-braunen Augen auf und sie verfärbten sich zu schwarzen Löchern die sie verärgert anstarrten. Knurrend zog er sie auf die Beine. Wieder durchfuhr Schmerz ihren Körper als ihr Bein belastet wurde. Er drehte ihren Kopf leicht, so dass sie eine Menschenmenge sehen konnte die in Panik auseinander stob. Blut benetzte den kalten Steinboden an etlichen Stellen und unzählige Körper lagen regungslos im ganzen Raum verteilt. Dazwischen rannten Menschen in Panik herum. Die meisten von ihnen kannte sie sehr gut, hatte mit ihnen ihr ganzes bisheriges Leben verbracht. Die anderen trugen Rüstungen aus Metall am Leib und schlugen mit Waffen immer wieder auf alles ein was sich bewegte. Palila fühlte wie sich ihr Innerstes umdrehte. „Du kannst ihr Leiden beenden mit nur eingen kleinen Worten.“ Wieder hörte sie wie die Stimme in ihr Ohr flüsterte. Doch sie konnte nicht antworten, konnte weder sprechen noch sich bewegen. Wie festgefroren stand sie da und starrte hilflos auf die Menschenmenge vor ihr. Plötzlich spürte sie wie ihr jemand einen Schlag in die Seite verpasste.

Angstvoll schreckte sie auf und blickte in die dunklen Augen ihres schwarzen Hengstes. Wie immer wenn sie sich zu heftig im Schlaf umherwälzte und schmerzvoll stöhnte hatte er sie geweckt. Dankbar atmete sie auf und strich ihm über die Schnauze. „Danke.“ hauchte sie hervor und zog sich in eine aufrechte Position. Immer noch etwas benommen sah sie sich um, nach einem Halt suchend und lehnte sich erschöpft gegen den Baumstamm. Ihre Gedanken wirbelten wieder durch ihren Kopf und sie versuchte fast krampfhaft den Traum zu verdrängen und an etwas anderes zu denken. Verzweifelt suchte sie nach etwas mit dem sie sich beschäftigen könnte. Sie wollte in diesem Moment weder an Escander noch an Hexagor denken. Zuviel Schmerz und Ungewissheit war für sie noch mit den beiden Männern verbunden. Sie ließ ihren Blick über die Lichtung schweifen und als sie ihre Sachen betrachtete, fiel ihr Blick auf ihren neuen Bogen. Das schwarze Holz war in der Dunkelheit der Nacht kaum auszumachen. Zögerlich streckte sie eine Hand aus und schloss sie langsam um den griff des Bogens. Langsam zog sie ihn zu sich heran und ihre Gedanken wanderten zu der Person dessen Geschenk er gewesen war. Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Züge als sie sich an das Gefühl des völligen Erstaunens und der ungeheuren Faszination erinnerte, welches sie in der vorherigen Nacht erfüllt hatte.

Sie musste an die Geschichte der Drachen denken, an Chromantyr und Xaugast und die vier Kinder Chromantyrs. Aoths Atem so hatte Esteban den Bogen genannt. Aoth, eines der vier Kinder, der grüne Drache. Grün wie der Wald schoss es ihr durch den Kopf. Sanft strich sie über den Drachenkopf am Griff des Bogens. Esteban schien ihr auf seltsame Art so weise und erfahren. Sie war sich für einen Moment fast lächerlich vorgekommen so an ihrem Leben zu zerbrechen wo er doch viel schlimmer gelitten hatte und es auch überstanden hatte. Seine Worte gingen ihr durch den Kopf. Er schien mit so vielem Recht zu haben. Und doch nagten die Zweifel an ihrem Inneren. Sie fühlte sich nicht stark und mutig, auch wenn er dies in ihr sah, auch wenn er sie Palila Dämonentöterin nannte. Und doch bauten seine Worte sie auf. Sie fühlte sich zerrissen. Der Schmerz den sie manchmal bei ihm zu fühlen glaubte, den sie durch ihre Worte aufgewühlt hatte, ließ ihr Herz sich zusammenziehen. Und doch ging er aufrecht durchs Leben und die meiste Zeit wirkte es als wäre er die Ruhe selbst. Friedlich und ausgeglichen wirkten seine Züge zumeist, als hätte er seinen Frieden mit der Welt gefunden. Palila bewunderte ihn dafür und zugleich wünschte sie sich auch diese Stärke zu besitzen. Ein leiser Seufzer entrang sich ihrer Kehle und erschöpft schloss sie die Augen. Manchmal fühlte sie sich so unsicher in Estebans Gegenwart, sie hatte Angst ihn zu verletzen mit ihren oftmals unbedachten Worten.

Mit einem Finger fuhr sie die Konturen des Bogens entlang. Wenn sie Esteban richtig verstanden hatte war er von seiner Frau gefertigt worden. Sie hatte sich nicht getraut weiter zu fragen aus, Angst der Gedanke an seine Frau könnte ihn in Trauer stürzen. Er viel über die Drachenritter erzählt, dass sie seine Heimat gewesen waren. Heimweh hatte er gesagt verspüre er. Freundschaft hatte er erklärt war das wichtigste Prinzip der Drachenritter. Sie fühlte sich allein seit sie Escander betrogen hatte und er sich von ihr getrennt hatte. Sie wünschte sich Gesellschaft, doch gleichzeitig machten ihr zuviele andere Menschen auch Angst. Sie fühlte sich dann bedrängt, so wie das auch Mauern vermochten wenn sie sich zulange zwischen ihnen aufhielt. Vielleicht hatte Esteban recht und sie sollte sich die Drachenritter einmal ansehen. ‚Estebans Nase.‘ sie musste bei dem Gedanken leicht schmunzeln. Aber passte sie in eine Gilde? Sie hatte starke Zweifel daran, doch konnte sich auch nicht so recht etwas unter dem Wort Gilde vorstellen. Sie hatte zuviel Zeit allein verbracht und sie war sich nicht sicher, ob sie überhaupt noch mit anderen Menschen umgehen konnte. Ihre bisherigen zwischenmenschlichen Beziehungen hatten eher das Gegenteil bewiesen. Ratlos ließ sie den Kopf sinken.

Als sie die Augen schließlich langsam blinzelnd wieder öffnete fiel ihr Blick auf den Baum des Lebens. Beschwerlich erhob sie sich und ging auf ihn zu. Vorsichtig legte sie wieder eine Hand auf den Stamm und spürte das pulsierende Leben in der Rinde. Abwesend blickte sie auf den Stamm und versuchte an einen Satz zu erinnern den Esteban ihr gesagt hatte. Doch sie bekam ihn nicht ganz zusammen. ‚Die Vergangenheit darf nicht unsere Zukunft bestimmen.‘ Hm, zumindest soetwas in der Art war es gewesen. Lange stand sie noch in Gedanken vertieft, die Hand auf der Rinde des Baumes. Bis die Sonne ihre ersten Strahlen ausschickte und ein neuer Tag in Palilas neuer Heimat begann.


Ruhe vor dem Sturm (23.06.2002, 02:52)

Vollkommene Ruhe umgab sie, irgendwo hinter dem Nebel des Schlafes nahm sie das Gezwitscher von Vögeln war, die beruhigenden Geräusche des Waldes. Palila spürte wie der Nebel begann sich zu lichten, aber sie wollte gar nicht zurück in diese Welt, wollte lieber in dieser wohligen Wärme und Ruhe verweilen. Doch der Nebel schwand immer mehr und sie öffnete langsam die Augen, sah sich blinzelnd um und erkannte sofort wo sie war. Sie saß an eine Blutulme gelehnt im Hain. Alimara hatte sie hergebracht um sie ruhen zu lassen und versprochen über sie zu wachen. Ein Gefühl tiefster Dankbarkeit durchflutete Palilas Herz. Sie hatte sich in den letzten Wochen allein gefühlt, sogar Hexagors Nähe konnte dieses Gefühl meist nicht ganz vertreiben. Natürlich fühlte sie sich in seinen Armen geborgen, aber es gab Dinge die sie ihm nicht erzählen mochte, nicht erzählen konnte und zuweilen hatte sie Angst vor und um ihn, wenn der Geist sich zeigte der in ihm wohnte, hatte Angst vor seinen magischen Kräften. Sie fühlte sich verwirrt, konnte keine Ordnung in ihre Gedanken und Gefühle bringen. Sie musste immer noch an Escander denken, sie liebte ihn immer noch. Doch zugleich fühlte sie auch Liebe und Zuneigung für Hexagor. Sie wusste das Escander sie niemals verstehen und ihr verzeihen könnte. Ein leiser Seufzer entrang sich ihrer Kehle. Zuviel Leid gab es auf der Welt, zuviele Menschen verbrachten ihr Leben unter Qualen. Palila musste an die junge Frau denken die sie in Cove getroffen hatte. Obwohl sie noch so jung war hatte sie schon so schlimmes erleiden müssen und ihre Qualen schienen noch lange kein Ende gefunden zu haben. Palila hatte sich sehnlichst gewünscht dem Mädchen helfen zu können, doch sie war beileibe keine weise Frau und dann war ihr Gespräch plötzlich von dem hereinstürmen mehrerer Männer gestört worden.

Ein junger Mann den sie gerade erst an jenem Tag kennengelernt hatte war verletzt worden. Mehrere Armbrust-Bolzen steckten noch in seinem Körper und an unzähligen Stellen konnte man kleine Wunden sehen, aus denen die Bolzen schon entfernt worden waren. Als Palila gerade die Verbände anlegen wollte, war er wieder zu Bewußtsein gekommen. Im ersten Moment schien er äußerst überrascht sich auf einem Krankenbett wiederzufinden, doch dann hatte er es mit einer gewissen Gelassenheit wahrgenommen. Er erzählte ihr nach einigem Zögern von der Drachenseele die in ihm wohnte und dem Leid das er anderen aufgrund dessen zufügte. Palila hatte ihm geraten zu den Drachenrittern zu gehen und diese um Hilfe zu ersuchen, doch er sagte nur, dass ein Drachenritter vor kurzem versucht hatte ihn zu erschlagen, weil der Drache der in ihm wohnte nicht guter Natur war. Sie hatte dies mit einigem Bestürzen aufgenommen. Ein Drachenritter der versuchte einen Menschen der ihn um Hilfe ersuchte zu erschlagen? Sie konnte es nicht glauben, doch musste sie zugeben, dass sie eigentlich auch nur einen Drachenritter kannte und die Gemeinschaft der Drachen bis jetzt immer nur nach seinen Worten beurteilt hatte. Und esteban hatte immer nur gut von den Drachenrittern gesprochen, von ihrer Hilfsbereitschaft. Wieder musste sie leicht seufzen als sie an Esteban dachte. Die letzten Male die sie ihn gesehen hatte, hatte er irgendwie so kalt und abweisend gewirkt. Aber sie wollte ihn nicht bedrängen, vielleicht war er einfach zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt.

Und plötzlich musste sie an Jelinea denken. Ihr letzter Brief hatte Palila beunruhigt, es hatte irgendwie alles sehr bedrückt geklungen und sie machte sich Sorgen. Die Gefühle die sie von ihrer Seelengefährtin empfing hatten in den letzten Wochenläufen so durcheinander und zuweilen auch sehr traurig gewirkt. Doch seit einigen Tagen konnte sie wieder Glück spüren, wie sie es schon seit langer Zeit nicht mehr bei ihr gespürt hatte. Ein Lächeln schlich sich auf Palilas Züge. Jelinea musste wirklich großes Glück gefunden haben.
Für einen Moment schloss Palila die Augen und genoss dieses Gefühl der Zufriedenheit und zum ersten Mal seit Wochen verspürte sie eine vollkommene Ruhe und sogar die Lieder des Waldes konnte sie wieder alle hören. Für eine Weile lauschte sie angestrengt, hörte jeder einzelnen Stimme zu. Doch irgendetwas fehlte, die Lieder klangen unvollständig, eine der Stimmen schwieg, ein Teil des Gesangs drang nicht zu ihren Ohren, ein Wichtiger Teil. Palila runzelte grübelnd die Stirn und lauschte amgestrengt im Versuch herauszufinden wessen Stimme fehlte. Sie legte den Kopf leicht schräg, die Augen immer noch geschlossen. Und plötzlich wurde ihr bewusst wessen Teil der Lieder sie vermisste. Erschrocken schlug sie sie Augen auf und murmelte leise „Murranagh verlass mich nicht.“


Der Retter (24.06.2002, 04:10)

Langsam trabte Palila durch den Wald. Ihr Inneres war aufgewühlt und ihre Gedanken wirbelten wirr durch ihren Kopf. Sie hatte den Hain schon vor einigen Stunden verlassen, obwohl sie sich dort sehr wohl gefühlt hatte und für einen Moment sogar wieder Glück verspürt hatte. Doch der Schreck über Murranaghs Schweigen hatte sie verstört und sie hatte den Drang nach Bewegung verspürt. Leise hatte sie sich aufgerappelt und war einige Schritte auf die schlafende Alimara zugegangen. Für einen Moment betrachtete sie die schlafende Frau, seufzte dann und murmelte: „Bei Sonnenaufgang bin ich wieder da.“ Dann wandte sie sich um und schwang sich auf den Rücken ihres Pferdes. Ein leichter Schenkeldruck genügte und Palitas trabte los. Ziellos wanderten Pferd und Reiterin durch den Wald. Palila hörte die Geräusche des Waldes die sie so liebte und die ihr zumeist auch Trost spendeten, aber das Lied des Waldes in ihrem Herzen war nur noch ganz schwach zu hören, fast schon schwieg es. Schon seit einigen Tagen hatte sie Mühe die Gesänge zu hören und obwohl zuweilen großer Lärm um sie herum war, fühlte sie sich in Stille gefangen, obwohl in ihrem Kopf alles schrie, schwieg es in ihrer Seele.
Palila sog die duftende Waldluft tief ein und suchte den Wald mit unruhigen grünen Augen ab, doch gab es in diesem Teil des Waldes nichts Ungewöhnliches. Einige Stunden verbrachte sie damit durch den Wald zu reiten, vielleicht sogar in der Hoffnung etwas Ungewöhnliches zu entdecken nur damit sie eine Beschäftigung hatte, sich ablenken konnte von den Gedanken die ihren Geist quälten. Langsam spürte sie wie die Müdigkeit in ihre Glieder zurückkehrte und leise seufzend brachte sie Palitas zum stehen und schwang sich von seinem Rücken. „Dies sieht doch wie ein guter Platz für den Rest der Nacht aus.“ murmelte sie leise zu ihrem Pferd. Sie sammelte ein wenig trockenes Holz, entzündete ein kleines Feuer und lies sich dann daneben nieder. Immer schwerer wurde es die Augen offen zu halten und schließlich fielen sie ihr ganz zu.

Palila genoss das Gefühl der sie langsam umhüllenden wärmenden Schwärze. Langsam wurde sie wieder von Licht umhüllt und sah sich neugierig um. Sie stand auf einer blumenbedeckten Wiese, nur mit einer Lederhose und einem einfachen Hemd bekleidet, das vom Morgentau noch leicht feuchte Gras unter ihren nackten Füßen spürend. Sie sah sich aufmerksam um, kein einziger Baum oder Strauch war in der Nähe zu sehen. Lediglich in einiger Entfernung konnte sie den Rand eines Waldes sehen. Sie blickte zum Himmel und betrachtete die Sonne die heiß auf ihrem Haupt brannte. Plötzlich bildeten sich dunkle Flecken auf dem gleißenden, gelben Ball und Palila runzelte die Stirn in Verwunderung. Immer größer wurden die Flecken bis sie die Sonne schließlich ganz verschlangen. Dunkelheit breitetet sich über der Wiese aus, aber dennoch konnte Palila, zu ihrem Erstaunen, durchaus noch gut sehen. Doch langsam breitete sich ein Gefühl des Unbehagens in ihr aus, sie spürte, dass die Dunkelheit Unheilvolles ankündigte. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihren nackten Armen aus und es schien ihr als würde etwas dunkles nach ihrem Herzen greifen und drohen es zu zerquetschen. Immer stärker und stärker wurde der Druck in irem Brustkorb und leise keuchte sie hervor: "Nein. Lass mich:" Der Drang davonzurennen wurde immer stärker und schließlich gab sie ihm anch. Sie lief auf den Waldrand zu und je länger sie rannte, desto schneller wurden ihre Schritte. Doch der Waldrand kam nicht näher, schien sich eher weiter von ihr zu entfernen. Eine leise Stimme in ihrem Kopf flüsterte unaufhaltsam: "Der Wald. Du musst in den Wald. Der Wald wird dich beschützen. Der Wald ist deine Heimat und dein Freund." Palila versuchte dem Rat der Stimme zu folgen, sie wandte ihre ganze Kraft auf um sich dem Wald zu nähern, all ihre Gedanken richtete sie darauf in den Schutz der Bäume zu gelangen. Die Stimme flüsterte weiterhin in ihrem Kopf: "Du musst fest daran glauben. Nur dein Glaube kann dich hier retten." Un dschließlich schien der Waldesrand näher zu kommen, immer genauer konnte sie die Bäume erkennen und nach einer Ewigkeit, wie es ihr schien, gelangte sie in den Wald. Sie verlangsamte ihre Schritte und trat beinahe ehrfürchtig in den Schatten der Bäume.

Doch während Palila einerseits die wohlige Geborgenheit Murranaghs Reich spürte, so spüte sie doch auch, dass sie noch immer von etwas Dunklem verfolgt wurde. Sie blieb stehen und wandt sich um, versuchte ihren Verfolger zu erkennen. Langsam schälte sich die Gestalt eines Mannes aus dem Schatten der Bäume, doch viel war in der Dunkelheit nciht zu erkennen. Lediglich seine grün-braunen Augen blitzten ihr gefährlich entgegen. Eine Weile standen sie nur stumm dort im Wald und beobachteten sich gegenseitig, bis der Mann schließlich zu sprechen begann. Seine Stimme war samtweich und dennoch bohrte sich der warme Bariton tief in ihre Seele. "Wie lange willst du noch weglaufen?"
Unwillkürlich wich Palila ein Stück zurück, ein Stück weg von der Stimme und den unheimlich glimmenden Augen. Die Gestalt machte einen Schritt auf sie zu und seine Stimme nahm einen verführerisch sanften Ton an. "Komm mit mir. Lass mich dir helfen. Ich will doch nur, dass du mir ein paar einfaché Fragen beantwortest." Immer näher kam die Stimme und immer eindringlicher wurde sie, bis Palila dachte, das ihr Kopf in Tausend Teile zerspringen würde.

"Nein." hörte sie sich selbst leise sagen, doch war es viel mehr ein Hauchen, kaum konnte man ihre Worte verstehen. Ein leichtes Lächeln erschien auf dem Gesicht des Mannes und ließ ihn noch unheimlicher wirken. Unbeeindruckt von ihrem kläglichen Versuch ihn abzuwehren, bewegte er sich weiter auf sie zu. Immer näher kam der bedrohliche Schatten auf Palila zu. Sie spürte wie Panik ihren ganzen Körper durchdrang und Angstschweiß aus jeder Pore strömte. Doch sie war unfähig sich zu bewegen, wie eingefroren stand sie da und sah ihren Peiniger auf sich zukommen, konnte schließlich bereits seinen Atem auf ihrer Haut spüren. Sie fühlte wie sich sämliche Muskeln in ihrem Körper anspannten und doch nichts weiter taten. Sie schloss ihre Augen um die blitzenden Augen vor ihr nicht sehen zu müssen und betete im Geiste stumm zu Murranagh. Sie hatte seine Stimme schon seit Tagen nicht mehr gehört und umso erstaunter war sie als sie plötzlich ein tiefes Grollen vernahm und spürte wie Kraft, Murranaghs Kraft, durch ihren Körper strömte. Palila schlug die Augen wieder auf und sah wie der Mann der sie noch soeben bedroht hatte, hoffnungslos in Schlingpflanzen verheddert war. Ein Lächeln trat auf ihr Gesicht und sie spürte Murranagh bei sich, spürte die Wildheit des Gehörnten und brüllte ihren hilflosen Peiniger an "NEIN!"Ihren Triumph genießend schloss sie wieder die Augen, doch als sie sie öffnete war der Mann verschwunden, die Schlingpflanzen lagen zerfetzt auf dem Boden.

Erschrocken drehte sie sich um und sah erneut in sein Gesicht. Vor Schreck sprang sie zurück, doch dann fasste sie sich wieder und schrie: "Murranagh, gewähre mir deinen Schutz und schicke mir deine Kinder zu Hilfe." Der Mann vor Palila wollte gerade nach ihr greifen, da wurde er von dem Gewicht eines auf ihn zuspringenden Panthers zu Boden gerissen. Fast mühelos schleuderte der Mann den Panther von sich, nur um wieder zu Boden gerissen zu werden. Bären, Panther, Wölfe, Tiere und Pflanzen aller Art stürzten sich auf ihn, versuchten ihn zu Boden zu drücken. Doch auch diese wehrte er, wenn auch mit wesentlich mehr Mühe, ab. Palila fühlte wie die Panik langsam wieder in sie koch und rannte so schnell sie konnte fort von dem Mann. Nach einigen Metern warf sie einen Blick zurück über die Schulter, konnte ihren Peiniger jedoch nirgends entdecken, doch als sie den Blick wieder nach vorne wandte, fand sie sich plötzlich auf einem gepflasterten Platz wieder.

Die grün-braunen Augen des Mannes vor ihr verfärbten sich schwarz und er zischte bedrohlich in ihre Richtung: "Hier kann dir dein Murranagh nicht helfen. Hier bist du ganz allein." Palila senkte den Kopf, Verzweiflung und Panik erfültten sie und sie wartete nur stumm auf den Druck seiner Hand an ihrem Hals. Doch stattdessen hörte sie wie Flügel die Luft zerteilten und ein roßes Geschöpf in ihre Richtung trugen. Überrascht hob sie den Blick und sah wie ein riessiger grüner Drache die Gestalt vor ihr umstieß. Hart prallte der Mann auf den Steinboen auf, rutschte einige Meter weiter und blieb dann liegen, während ein dumpfes knacksendes Geräusch zu hören war. Und dann trat für einen Moment vollkommene Stille ein. Palila hielt die Luft an, aber die liegende Gestalt rührte sich nicht, blieb reglos. Mit einem Seufzer der Erleichterung ließ sie die Luft entweichen und betrachtete mit Erstaunen wie die Steine langsam von Pflanzen überwuchert wurden bis sie schließlich nicht mehr zu erkennen waren. Und während sie mit gespannten Blicken beobachtete wie die mächtigen Schwingen des Drachen die Luft teilten, hörte sie leise in ihrem Innersten eine tiefe samtweiche Stimme flüstern: "Es ist noch nicht vorbei!"


Schatten der Vergangenheit [Teil I - Aller Anfang ist schwer] (03.01.2003, 06:37)

Kleine Fältchen bildeten sich auf Palilas sonst glatter Stirn, als sich ein dunkler Schatten durch ihre Gedanken schlich. Sie schlug die Augen auf und sah sich verwirrt um. Jedoch konnte sie nichts Ungewöhliches entdecken. Alles schien völlig normal und ruhig zu sein. Ihr treuer vierbeiniger Gefährte stand etwas abseits und graste, Vögel hüpften von Baum zu Baum und zwitscherten ein Gute-Nacht-Lied in der Abenddämmerung, die Wipfel der Bäume wiegten sich leicht hin und her in der sanften Brise und alles bereitete sich auf die Nacht vor. Palila atmete tief durch und schloss die Augen wieder um festzustellen was sie in ihrer abendlichen Ruhe gestört hatte. Bilder schossen ihr durch den Geist. Wie ein Karussell kreisten lauter Gedanken-Fetzen um sie herum. Ihr wurde schwindelig und übel und sie versuchte sich ganz darauf zu konzentrieren Ruhe in das um sie kreisende Chaos zu bringen. Palila atmete mehrmals ruhig tief ein und aus und streckte in Gedanken die Arme aus um die Bilder festzuhalten um sie betrachten zu können.

Die Welt war verzerrt von dunkeln Schatten, ein leises Murmeln wie von tausenden Stimmen hatte sich wie eine Decke um sie gelegt. Sie blickte sich um und erkannte im Halbdunkel mehrere Gestalten, in weite Roben gekleidet, die Gesichter durch Kapuzen vollkommen verdeckt, die sich ihr von allen Seiten her langsam näherten. In stummem Tanz zogen sie den Kreis um Palila enger, bis schließlich kaum noch ein Schritt zwischen ihr und den dunklen Wesen lag. Die Kreaturen hielten in ihren Bewegungen inne, die Beine schulterbreit auseinander, die Arme leblos am Körper hinabhängend, vollkommen unbewegt begannen sie ihren Sprechgesang. Ein leises Gemurmel, doch stetig lauter werdend, das sich direkt in ihrem Kopf zu bilden schien. Doch verstand Palila nicht was sie sagten. Obwohl der Klang der Stimmen und die Worte ihr vertraut schienen ergaben sie doch keinen Sinn, keine Bedeutung. Verwirrt runzelte sie die Stirn und lauschte angespannt den Worten.

Allmählich wurden die Stimmen leiser bis sie kaum noch wahrzunehmen waren. Eine der Gestalten trat hervor und schlug die Kapuze zurück, sein Gesicht enthüllend. Palila blickte in grün-braune Augen die ihr nur allzu bekannt vorkamen. Entsetzt wich sie vor dem Mann zurück, doch wurde sie von den anderen Gestalten aufgehalten und wieder zu ihm zurück geschoben. Ihre Muskeln spannten sich an und ihr atem begann zu rasen. Palila wagte nicht dem Mann ins Gesicht zu blicken und hielt den Blick auf den Boden gesenkt. Ein tiefes brummendes Lachen war zu hören als er ganz nah an sie herantrat und eine Hand zu ihrem Kinn hob. Palila schloss die Augen und schluckte als seine Haut auf die ihre traf. Langsam hob er ihren Kopf an und flüsterte mit samtweichem Bariton: „Öffne deine Augen.“ Sie reagierte nicht. Die Stimme nahm einen eiskalten Klang an. „Oder ich helfe dir dabei.“ Ihre Augen schlugen auf und sie blickte ihrem alten Peiniger widerwillig ins Gesicht. Ein gefälliges Schmunzeln breitete sich über seine Züge aus. „Das ist doch schon viel besser. Und nun fangen wir wieder da an wo wir das letzte Mal aufhörten, da du dich ja einfach entschlossen hattest zu ... fliehen.“ Zischend kam das letzte Wort hervor, während seine Hand langsam von ihrem Kinn zu ihrem Hals wanderte. Palila spürte wie sich ihre Kehle zuschnürte. Ob nur vor Angst oder auch durch den Druck seiner Hand verursacht wusste sie nicht so genau. Das kalte Funkeln in den Augen ihres Gegenüber ließ die junge Frau erzittern und sie begann sich ängstlich in seinem Griff zu winden, doch dieser war erbarmungslos fest. In seinen Augen blitzte es ob Palilas zaghaftem Befreiungsversuch dunkel auf und die geängstigte Frau blickte nun in zwei tiefschwarze Löcher. Seine Stimme nahm einen noch bedrohlicheren Klang an als er wieder zu sprechen begann. „Und du versuchst es schon wieder. Weißt du denn nicht was du damit anrichtest? Du weißt doch, dass ich dafür jeden bestrafen muss der dir nahe steht. Du hast doch gesehen was mit deinem Dorf geschehen ist weil du dich widersetzt hast.“ Er beugte den Kopf vor, so dass seine Lippen direkt neben ihrem Ohr waren und flüsterte: „Du bist schuld an all ihrem Leid, an allem vergossenen Blut, an all ihren Schmerzen ... an ihrem Tod.“ Die letzten Worte waren nur noch gehaucht.

Tränen rannen Palilas Wangen hinab und mit einem Schrei erfüllt von all dem Schmerz und Hass den dieser Mann verursachte, stieß sie ihn von sich weg. Sie spannte die Muskeln an, bereit ihn nochmals von sich wegzustoßen, da sie sich sicher war, dass er ihr nachsetzen würde. Doch zu ihrer Überraschung streifte er die Kapuze wieder über und trat in den Kreis zurück. Schluchzend sackte sie in sich zusammen und fiel auf die Knie, den Kopf in den Händen vergraben, noch zusätzlich verborgen durch ihr langes rotes Haar. Zitternd hockte sie auf dem Boden als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie hob den Kopf langsam an und blickte in das, nun ebenfalls entblößte, Gesicht einer alten Freundin.


Schatten der Vergangenheit [Teil II - Ruhe und Sehnsucht] (03.02.2003, 18:58)

Sprachlos blickte Palila sie an, die Tränen versiegend, das Schluchzen verstummend, brachte sie stockend hervor: „Je...Jelinea.“ Jelinea nickte sachte und bot ihr lächelnd die Hand an um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. „Jeli... Was ist nur geschehen?“ Palila drückte die Hand ihrer Seelenschwester so fest als wolle sie sie niemals wieder loslassen und die Tränen begannen wieder zu fließen. Jelinea lächelte wieder sanft und umarmte Palila tröstend. „Es wird alles wieder gut.“ flüsterte sie ihr beruhigend ins Ohr und Palilas aufgeregter Herzschlag begann ruhiger zu werden, ihr Atem wurde wieder langsamer und die Tränen versiegten erneut. Jelinea strich ihr sanft über die Haare, sie eng an sich drückend. „Shhhh.“ Palila atmete tief aus und hob den Kopf an, sich von ihrer Seelenschwester lösend trat sie einen kleinen Schritt zurück um sie genauer zu betrachten. „Du siehst so... glücklich aus.“ Die beiden jungen Frauen lächelten sich an.

„Ja, ich bin glücklich und zufrieden. Ich habe endlich einen Ort der Ruhe gefunden.“ Palila strich ihrer Freundin über die Wange. „Das freut mich für dich. Du warst solange verschwunden. Ich habe mir Sorgen gemacht und...“ Palila blickte ihr Gegenüber zögernd an. „und.... da war noch etwas .... anderes.“ Sie runzelte die Stirn in Verwirrung, selbst nicht ganz sicher was sie damit meinte. „Ja Pal.“ Lächelnd führte Jelinea Palilas Hand zu ihrem Bauch. „Ich habe neues Leben geschenkt.“ Ungläubig blickte die junge Waldläuferin die Junghexe an. „Du... du bist schwanger?“ „War. Ich war schwanger. Es ist ein Mädchen. Ma Jaya. Und wir sind sicher und glücklich wo wir jetzt sind. Ich habe mich solange nach dieser vollkommenen Ruhe, nach diesem Gefühl der Erfüllung gesehnt. Und auch du wirst eines Tages einen Ort finden an dem Zufriedenheit auf dich wartet. Vielleicht ist es sogar derselbe wie der meine. Du wärest hier willkommen...“ Sie ließ den Satz verklingen im Klang einer unausgesprochenen Einladung. Palila runzelte die Stirn. „Aber ich kann meine Wälder hier doch nicht verlassen und meine Freunde. Und Hexagor.“ Jelinea brachte ihr Gesicht näher an Palilas und blickte ihr eindringlich in die Augen.

Für einen Moment war ihr Blick rätselnd, doch wurde er nach einigen Herzschlägen verständnisvoll und sanft. „Ich will dich zu nichts zwingen. Jeder muss sein Glück selbst finden und selbst entscheiden wo er es suchen will. Aber das Angebot bleibt bestehen. Du kannst mich jederzeit besuchen. Ruf mich nur und ich werde dir sagen wo du mich finden kannst.“ Mit diesen Worten stülpte sie die Kapuze wieder über und trat in den Kreis zurück, dabei eine recht verdutzte Palila zurücklassend. Die Waldläuferin blickte ihrer Freundin nach wie sie in der grauen Masse der Umstehenden verschwand. Sie verspürte einen kleinen Stich in ihrem Herzen als die Freundin nach der sie solange gesucht hatte schon wieder in die Unerreichbarkeit verschwand. Doch blieb ihr nicht zuviel Zeit darüber nachzudenken, da bereits die nächste Gestalt hervortrat und die Kapuze zurückschlug. Palilas Brauen wanderten nach oben und sie blickte den Mann vor ihr einen Moment lang sprachlos an.


Sehnsucht und Schlaflosigkeit (17.03.2003, 09:14)

Weit enfernt von der Silberquelle, im Bund der freien Lande, saß eine junge Frau an einen Baum gelehnt und blickt in den nächtlichen Himmel. In der Hand hielt sie ein Tuch auf das zwei Gesichter gestickt waren. Das eine war unverkennbar das Ihre. Das zweite war das eines Mannes. Zärtlich strich sie darüber, in ihren Augen ein sehnsüchtiges Funkeln. Sie seufzte schwer und erhob sich mit der Agilität eines Panthers, die Lederbekleidung kaum ein Geraeusch verursachend. Lautlos bewegte sie sich durch den Wald, den Blick durch den Wald schweifen lassend. Unbewusst ging sie auf die Grenze zu und blickt erstaunt auf als sie sie erreichte. Sie blickte ins Herzogtum und blieb für einen Moment unschlüssig stehen. Schließlich wandte sie sich wieder um und verschwand abermals im dichten Wald.
Sie ließ sich an einer stämmigen Eiche niedersinken und lehnte den Kopf zurück. Ihre Gedanken zu ihrem Gefährten aussendend schloss sie schließlich die Augen.


seltsame Energien (06.08.2003, 21:12)

Verwirrt runzelte Palila die Stirn. Ein seltsames Gefühl durchströmte sie. Etwas Unbekanntes. Fast wie ein Schmerz schien es. Die junge Waldläuferin hielt sich leicht den Kopf. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas störte den normalen Fluss des Lebens. Sie verzog das Gesicht und hockte sich auf den Boden. Vorsichtig legte die junge Frau die bloßen Hände auf den Erdboden. Einige Zeit verharrte sie so. Reglos. Die Augen geschlossen. Das Gesicht immer noch wie im Schmerz verzogen.

Erst als die Welle jenes seltsamen Gefühles nachließ öffnete sie die Augen wieder und sah sich leicht verstört um. Das Gefühl hatte jedoch nciht gänzlich nachgelassen. Latent war es immer noch vorhanden. Die junge Waldläuferin erhob sich langsam wieder und lauschte in den Wald. Lauschte nach den üblichen Geräuschen der Tiere und Pflanzen. Ja, etwas schien hier eindeutig nicht zu stimmen. Doch konnte Palila sich nicht erklären was dieses "Etwas" war. Und so machte sie sich auf den Weg zu Nurd'sala, schien diese Energiewelle doch von daher gekommen zu sein. Vielleicht würden sich dort ihre Fragen klären.


Schatten der Vergangenheit: Teil III - Zwei Zungen, zwei Seelen, ein Mann (29.09.2003, 09:53)

Sie kannte das Gesicht der Person die nun vor ihr stand nur zu gut, war er doch der Mann den sie liebte. Doch bevor sie die Stimme erheben konnte um ihn zu begrüßen, trat eine weitere Gestalt aus dem Kreise der berobten Wesen und schlug ebenfalls die Kapuze zurück. Das Gesicht jenen Mannes war ihr unbekannt und doch schien es ihr als würde sie ihn schon seit langer Zeit kennen. Beide näherten sich Palila um ein weiteres Stück und als eine Stimme erklang, war es die Stimme aus zwei Kehlen, aus zwei Herzen. Die junge Waldläuferin kannte sie beide, sie gehörten zusammen. Und doch kannte sie die Stimmen auch getrennt. Eine getrennte Einheit. Zwei Männer die eins gewesen waren. Ein Bund der den einen leiden ließ und den anderen leben. Palilas Blick wanderte zwischen den beiden Männern hin und her, den Worten die sie sprachen lauschend. "Palila... Du warst nicht bei uns... Du hast uns allein gelassen... Allein mit unserem Schmerz... Allein mit unserer Einsamkeit... Allein... Allein, wenn du uns Kraft hättest geben sollen... Wo warst du? Warum warst du nicht bei uns? Was hielt dich davon ab uns zu folgen? Wo war deine Liebe?"

Palila starrte die beiden Wesen aus großen dunkelgrünen Augen an. "Nein, nein... so war es nicht... ich liebe dich... über alles liebe ich dich... aber ich konnte nicht.... Ich... " Doch ihre Worte verloren sich im Raunen des Windes. Wurden hinweggetragen ohne Wirkung. Während dessen hatten sich ihr die beiden Berobten weiter genähert. Einer vor ihr, einer hinter ihr. Und wieder erklang jene zweigespaltene, einheitliche Stimme. "Nein, du hast uns im Stich gelassen als wir dich so nötig brauchten. Im Stich." Fauchend waren die Stimmen. Sie bohrten sich in ihre Seele, in ihr Herz. Trafen sie schwer und zerrissen sie innerlich. Jene Worte bestätigten ihre schlimmsten Befürchtungen, ließen ihre grausigsten Alpträume Wirklichkeit werden. Sie hatte den Mann den sie so sehr liebte der grausamen Welt überlassen, ohne den Hain ihrer Zuneigung. Ohne ihren Rückhalt. Allein. Ja, sie hatte ihn allein gelassen. Und jene Wahrheit schmerzte sie noch mehr als die Worte der Gestalten neben ihr. Schluchzend kauerte sie sich zusammen. Ihren Kopf zwischen den Armen vergrabend. Bittere Tränen rannen ihre Wangen hinab, benetzten ihr Gesicht, bevor sie zu Boden fielen, eine kleine Pfütze auf dem dreckigen Boden bildend.

Plötzlich griff eine der beiden Gestalten nach ihr, zerrte an ihr, sie durchschüttelnd. "Es ist deine Schuld ... ganz allein deine Schuld... wieder hast du die die du liebst nicht geschützt, obwohl du es hättest tun können... " Der bekannte Fremde hatte sein Gesicht ganz nah an das ihre gebracht. Seine dunklen Augen bohrten sich tief in die ihren, als wolle sein Blick ihre Seele versengen. Palila senkte die Lider, schloss die Augen und wieder schossen bittere Tränen auf. Und wieder benetzten jene Tropfen ihr junges Gesicht, fielen zu Boden, befeuchteten ihre Kleidung. Während die zweiklingende Stimme weiter auf sie eindrang. Doch die geschlossenen Lider hielten sie nicht ab. Die Worte drangen auch durch die Hände die sie vor ihre Ohren presste. Sie überwanden jede Mauer die die Waldläuferin aufzubauen versuchte, wanden sich in ihrem Schädel und klangen in ihrer Seele wider. Palila spürte die Hände an sich ziehen und zerren und kauerte sich enger zusammen, ein Häufchen Elend, sich im Dreck windend, das Gesicht vom Schmerz verzerrt.

Palila riss die Augen wieder auf als sie einen harten Schlag auf der Wange spürte. Auf dem Boden kriechend versuchte sie sich von den beiden Berobten zu entfernen, doch sie waren zu schnell und mit schnell geflüsterten Worten und einer Handbewegung wurde ihr Körper von magischen Fesseln zur Bewegungslosigkeit gezwungen. Und wieder kamen die beiden auf sie zu. Ängstlich wand die junge Frau den Blick zu den beiden. Der Blick ihres Gefährten war seltsam kalt und leer, während die Augen des Fremden zu brennen schienen. Eine Flamme des Hasses. Palila versuchte sich zu befreien, sich zu bewegen, doch noch immer war sie gebunden und mit Schrecken musste sie mit ansehen wie sich eine Flamme, passend zu dem Feuer in des Mannes Augen, nun auch in der Hand des Fremden bildete. Mit einem kalten, gehässigen Grinsen deutete er mit der Hand auf sie, die Flammen in ihre Richtung züngelnd.

In einem Bemühen letzter Hoffnung wendete Palila den Blick zu ihrem Gefährten und leise verließen die Worte ihre Lippen. "Bitte... bitte hilf mir.... Ich liebe dich... und... und es tut mir leid...... Hilf mir..." Die letzten Worte waren so leise geflüstert, dass sie wohl kaum jemand gehört haben mochte, doch die Augen des Mannes an die sie gerichtet waren wurden mit einem Male von Leben erfüllt. Ruckartig wendete er sich dem Fremden zu und stieß ihn zu Boden. Überraschung war deutlich in den Augen des zu Boden gestoßenen zu erkennen, doch dann riss er die Hände hoch und mit einigen Worten wurde Palilas Gefährte einige Schritt zurückgeschleudert und fiel nun seinerseits keuchend zu Boden. Die Flamme die für Palila bestimmt gewesen war loderte wieder auf und schoss nun auf ihren Gefährten zu und abermals war sein Keuchen zu vernehmen. Reglos blieb er liegen und der dunkle Fremde richtete sein Aufmerksamkeit mit einem hämischen Schmunzeln wieder auf Palila. "Nun könnt ihr euch gegenseitig nicht mehr helfen. Dies ist euer beider Ende." Er näherte sich ihr wieder, die Hand erhoben, die Flamme züngelnd, bereit zu einem letzten Schlag.

Die Augen des Fremden leuchteten erneut auf. Doch es war nicht Vorfreude die dort flimmerte, es war Schreck und Überraschung die seinen Blick erfüllte. Mit einem dumpfen Geräusch schlug er auf dem Boden auf und sein fallender Körper gab die Sicht auf Palilas Gefährten frei, welcher immer noch keuchend und dreckverschmiert einige Schritte entfernt stand. Und die Stimme die nun erklang stand allein, unbegleitet von einer zweiten Zunge. "Nein, du wirst weder mich noch die die ich liebe je wieder bedrohen... Nein... ich habe dich besiegt... Ich bin frei... Das Band zerrisssen... Ich bin ich... " Und als die letzten Silben seiner eigenen Stimme seine spröden Lippen verließen sank er entkräftet zu Boden. Die Magie des Fremden hatte mit seinem Sturz nachgelassen und so kroch Palila auf ihren Gefährten zu, von dem Wunsch erfüllt ihn einfach nur in die Arme zu schließen um zu wissen, dass er da war. Und als sich die Arme ihres Gefährten um sie schlossen war es einzig Freude die ihr Herz erfüllte. Sanft legte sie ihre Lippen auf die seinen und hauchte die einzigen Worte die ihre Seele sang. "Ich liebe dich Hexagor."

Und dann fiel ihre Welt in die Dunkelheit zurück. Sie spürte immer noch Arme die sie hielten, doch die Stimme die ihr eine Antwort gab, gehörte nicht zu den Händen die auf ihrem Rücken ruhten. Und als die junge Frau die Augen aufschlug blickte sie nicht in das Gesicht, welches sie zu sehen erwartet hatte.


Schatten der Vergangeheit - Teil IV: Verständnis (27.11.2003, 22:33)

Auch diese Augen hatte sie geliebt. Und tief in ihrem Herzen liebte sie sie immer noch. Wenn auch der Schmerz die Emotion war die die junge Waldläuferin am stärksten mit diesen grauen Augen verband. Der Schmerz den sie diesem Mann bereitet hatte. Der Schmerz den sie selbst über ihre Tat empfunden hatte. Die Schuldgefühle. Die Unsicherheit. Die Ungewissheit. All dies hatte sie zu vergessen gesucht, doch es war ihr nicht gelungen. Noch immer erschienen ihr seine grauen Augen im Traum mit der Frage warum sie ihn hintergangen hatte. Noch immer ließ sie die Schuld nicht los und noch immer verstand sie selbst ihre Taten nicht.

Es war die große Liebe gewesen, zumindest hatte sie dies in jenen Tagen gedacht. Und ja, die Gefühle zu diesem Mann waren noch immer stark. Sie hatte bereits als sie sich das erste Mal begegnet waren dieses Band zwischen ihnen gespürt, diese Verbundenheit. Ein kräftiger, gut aussehender Mann mit langem schwarzem Haar hatte vor ihr gestanden. Die grauen Augen hatten sie wach angeblickt. Die kräftigen Hände sie noch so oft beschützend gehalten. Jenen Tag am Strand würde sie wohl nie vergessen. Auch der Klang seiner Stimme würde ihr nie aus der Seele schwinden, jene Stimme die sie zum Einnehmen einer Mahlzeit eingeladen hatte. Jene Stimme die angeboten hatte sie nach Minoc zu begleiten, seinem Zuhause damals. Die Worte des Schreckens als er erfuhr, dass ihre beste Freundin eine Hexe war. Dieser Blick als sie ihn an jenem Tag in Minoc zurückließ.

Palila erinnerte sich, dass ihre Freundin ihr von einer Begegnung mit jenem jungen Jäger erzählt hatte. Sie erinnerte sich an Jelineas Worte, dass sich dieser junge Kerl wohl in sie verliebt hätte. Und sie erinnerte sich, dass sie die Worte ihrer Seelenschwester lächelnd abgetan hatte, obgleich sie selbst damals schon Zuneigung empfunden hatte, schon nach dieser einen Begegnung. Die junge Waldläuferin wusste, dass die Harpyienfeder, die der junge Mann ihr damals über Jelinea hatte zukommen lassen, immer noch in dem kleinen Beutel an ihrem Gürtel war. Seit dem Tag an dem sie sie erhalten hatte. Sie besaß noch alle Geschenke die sie in den Tagen, die jenem einen schicksalsreichen noch folgten, von ihm erhalten hatte. Die Kette, die Ohrringe, der Sternensaphir, selbst die Kleidungsstücke. Selbst der Aufenthaltsort von Pyramusol und Alan, jenem Pferd und Hund welche ihr damaliger Gefährte in ihre Obhut gab, war ihr bekannt.

Sie dachte an all die schlaflosen Nächte die sie ohne ihn verbracht hatte und sie musste an all die Stunden denken die sie mit diesem Mann verbrachte hatte. All die Gespräche, die Jagd, die Zärtlichkeiten, die Stunden die sie in den heißen Quellen verbracht hatten. Doch eines Tages war sie einem anderen Mann begegnet, mit dem sie ebenfalls ein Band zu verbinden schien. Die darauffolgenden Wochenläufe waren von Zweifeln erfüllt gewesen und auch ihr damaliger Gefährte hatte jene Veränderung gespürt. Wenn Palila ihm auch immer wieder versichert hatte, dass sie mit dem Magier nur Freundschaft verband. Für einige Zeit hatte Palila diesen Worten und Beteuerungen selbst geglaubt, doch schließlich hatte sie sich eingestehen müssen, dass sie sowohl sich selbst als auch die beiden Männer belog. Ihre Gedanken schweiften zu jenen Stunden in denen sie zum ersten Male einem Mann so nah gewesen war wie es wohl für die Menschen möglich war. Und sie war froh, dass sie jene Erfahrung mit damaligen Gefährten gemacht hatte und doch schmerzte sie der Gedanke daran, dass sie es mit einem anderen Manne wiederholt hatte und sich selbst und zwei Männer in eine Zeit der Zweifel, des Schmerzes und Trennung gestürzt hatte.

Viele Erinnerungen und Emotionen banden Palila an den Mann dessen Gesicht sie nun vor sich war. Der Mann der in ihren ersten Tagen in den Wäldern der alten Welt ihr Gefährte gewesen war. Er trug die gleiche Robe wie die anderen Gestalten, die um sie herum in einem engen Kreis standen. Und wie alle Wesen die bis jetzt auf sie zugetreten waren, hatte er die Kapuze zurück geschlagen um sein Gesicht zu enthüllen. Unwillkürlich wanderte die Hand der jungen Frau an den Beutel an ihrem Ledergürtel, wohl wissend, dass die Feder noch immer dort war. Sie zog die Hand wieder zurück und strich sich eine Strähne des rotbraunen Haares aus der Stirn, welches der Mann vor ihr so bezaubernd gefunden hatte als er ihr Gefährte gewesen war. Angst stand in ihren dunkelgrünen Augen als sie den Blick in die grauen Augen richtete, die ihr so vertraut waren. Zu gut erinnerte sie sich noch an die Verbitterung und Pein die diese Augen einst gezeichnet hatten. Doch der Blick der sie nun traf zeigte keine der beiden Emotionen. Es war Vergebung die sie sah. Es war Milde die sie sah. Sie sah den Blick eines Mannes, der den Schmerz überwunden hatte und so zu neuem Glück gefunden hatte.

Und obwohl es sie freute, verwirrte sie es doch gleichermaßen. Sie selbst hatte diese Ruhe nicht wieder gefunden, ein Teil von ihr litt noch immer, immer wenn sie sein Gesicht sah. Der grauäugige Mann erhob sich vom Boden und reichte ihr eine kräftige Hand als Hilfe zum Aufstehen. Zögernd und vorsichtig ergriff die junge Frau die dargebotene Hand und ließ sich hochziehen. Mit offenem Mund starrte sie ihren ehemaligen Gefährten an, ihr Blick immer noch verwirrt und bar jeden Verstehens. Er jedoch lächelte nur sanft. "Du hast dich verloren..." waren die ersten Worte die sanftgesprochen seine Lippen verließen und sie trugen nicht gerade dazu bei, dass Palilas Verwirrung vorüberging. "Du musst wieder zu dir finden. Zu der Frau die ich geliebt habe. Dum musst die Ruhe wieder in dein Herz lassen, denn dieser Schmerz nimmt dir Kraft. Die Kraft die du gerade so sehr brauchst. Geh nicht weiter diesen Pfad der dich in die Dunkelheit führte. Du glaubst du hättest ihn verlassen, doch du verwecheselst das Licht der Sonnenuntergangs mit dem des Aufgangs."

Sanft legte er ihr die Hände auf die Schultern und Palila schien es für einen Moment als würde ihr ein riesiges Gewicht auferlegt. "Befreie dich von dieser Last, so wie auch ich es schon vor langem tat. Befreie dich von den Gedanken die deine Seele so quälen und beschweren." Je mehr Worte er sprach, desto schwerer schienen seine Hände auf ihren Schultern zu werden. Schwer. Unerträglich schwer. Wie die größten Felsen die die Zweiköpfigen nach einem warfen. Palilas Beine wollten versagten, die Knie wurden weich. Und plötzlich wurde das eindringliche Flüstern des Mannes vor ihr lauter. Wurde lauter und schien sich noch zusätzlich anzuhängen, schien ihren Kopf zu zerdrücken. "Nein! Nein, du darfst nicht aufgeben, darfst es nicht einfach so geschehen lassen. Ich weiß, dass du die Kraft hast all dies wegzustoßen. Nun zeig mir, dass ich mich in diesem Punkt nicht in dir getäuscht habe. Zeig mir wer du bist. Du kannst diese fesseln ablegen."

Die junge Waldläuferin spürte wie ihr die Tränen in die Augen traten. Tränen der Verzweiflung. Sie kannte diese Tränen. Sie wusste wovon der Jäger sprach. Doch sie konnte sich nicht gegen das Gewicht stemmen, es schien viel zu groß. Und noch immer wuchs es. "Und es wird weiter wachsen." Es schien als hätte er ihre Gedanken gelesen, als sei sie ein offenes Buch. "Ja. Ich kenne dich. Das Gewicht wird weiter wachsen, weil du es wachsen lässt. Niemand kann dir diese Aufgabe abnehmen, weil nur du sie abwerfen kannst. Palila." Mit einem Ruck hatte er ihre Schultern fester umfasst und sie weiter zu ihm gezogen um ihr ganz nah in die Augen zu blicken. Ihr schien es als wolle er seine grauen Augen durch ihre grünen tief in ihre Seele brennen. "Es wird nicht von allein aufhören. Mach dir keine Hoffnung darauf. Du kannst dich nur befreien wenn du dagegen ankämpfst. Kämpf Palila, kämpf. Wo ist die Frau die im Namen Murranaghs schon unzählige Untote erschlug. Tu diesmal etwas in deinem Namen. Gib dir selbst die Kraft die du brauchst."

Palilas Mund entfuhr ein Schluchzen. "Aber ich weiß nicht wie. Wie? Ich weiß nicht, was ich dafür tun muss. Es gibt hier keinen Gegner den ih sehen kann." Der eindringliche, fast wütend wirkende Blick des Mannes wurde sanfter. Du kannst es bekämpfen in dem du dich weigerst es zu ertragen. In dem du dir nicht mehr selbst dieses Gewicht zusprichst. Du musst darum bitten." Die junge Frau verengte die Augen in Verwirrung und sah ihn ratlos an. "Ich.. ich verstehe nicht recht... worum muss ich... bitten?" Und in diesem Moment schien es ihr ganz klar. In diesem Moment schien es ihr als habe sie die Lösung gefunden, als würden die Gewichte auf ihren Schultern endlich heben. Und leise zwar, aber mit allem Herzen gesprochen erklangen ihre Worte. "Bitte verzeih mir..." Der Blick des Mannes blieb sanft, aber nach einem kurzen Moment schüttelte er den Kopf und die Gewichte begannen wieder hinab zu sinken, sie wieder in den Boden zu drücken versuchend. "Nein." sagte er leise, doch es war keine Enttäuschung in seiner Stimme zu hören, nur Geduld. "Nein. Du weißt, dass ich dir verzeihe, darum musst du nicht mehr bitten. Nein, du musst jemand anderen um Verzeihung bitten. Jemanden den du bisher noch nie darum gebeten hast. Und ich glaube du weißt auch wen ich meine. Du kannst diese Gewichte nicht ewig mit dir tragen. So sehr du sie verdient zu haben glaubst. Eines Tages sollte jeder wieder frei gehen dürfen."

Sein Blick zeugte von tiefem Vertrauen in ihr Verstehen. Von einem Gefühl der Sicherheit, dass er bereit war zu geben. Von einer tiefen, inneren Ruhe die er spürte. Und Bilder von einem Mann den sie vor langer Zeit an einem Strand getroffen hatten kamen in ihren Geist. Sie sah den Unterschied und verstand. Leise, die Stimme unsicher und hoffnungsvoll sagte sie die Worte die Erlösung brachten. "Ich verzeihe mir." Der Mann nickte zufrieden, die Lippen von einem sanften Lächeln umspielt. Langsam nahm er die Hände von ihren Schultern und Palila bemerkte plötzlich, dass auf seinen Händen ein zweites Paar ruhte, das einer Frau. Ihre Hände, die sich in seine Fingergekrallt hatten. "Ich konnte sie nicht wegnehmen, weil du sie dort festgehalten hast. Vielleicht verstehst du es jetzt." Noch immer umspielte seine Lippen dieses warme Lächeln als er sich umdrehte, die Kapuze wieder überstreifte und in den Kreis zurücktrat. Einen Moment lang blickt Palila ihm nach, seine Worte in ihrem Geist umherschwirrend.

"Ja, ja ich verstehe es jetzt."

Sie fühlte sich so erleichtert, so frei, doch dann wanderten ihre Gedanken zu dem Kreis aus berobten Gestalten zurück und sie fragte sich wer doer was wohl als nächstes auftrat.


Der Wind in den Blättern... (04.06.2004, 21:25)

Sachte strich der Wind durch die Blätter der Bäume und durch Palilas rot-braunes Haar, spielte mit ihm, ließ es wie einen Vorhang vor ihr Gesicht gleiten. Die junge Waldläuferin öffnete die dunkelgrünen Augen und sah auf den Baum vor sich. Der Baum des Lebens. Nurd'sala. Langsam wanderte ihre linke Hand zu der Rinde, die wie alles auf dieser Lichtung von purem Leben nur so zu pulsieren schien. Ein sanftes Lächeln umspielte die feingeschwungenen Lippen der jungen Frau, während ihr Blick zur Seite wanderte, nach ihrem Ross suchend. Wenngleich sie auch so schon wusste, dass der braune Hengst immer in ihrer Nähe blieb. Auch ohne, dass sie ihn irgendwo festband. Und tatsächlich graste Hexi in seiner ureigensten gemächlichen Art einige Schritt entfernt von ihr. Kurz hob er den Kopf mit der kleinen weißen Blesse und schaute aus großen, dunklen Augen zu ihr herüber als wolle er sich vergewissern, ob sie ihn brauchte. Doch als sie ihm nur lächelnd zunickte, wandte er sich wieder dem saftigen, grünen Gras unter seinen Hufen zu. Palila konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, während sie ihre Augen kurz über die Lichtung schweifen ließ. Es war friedlich. Die Sonne näherte sich dem Ende ihrer Schalfenszeit. Doch noch lag der Wald in nächtlicher Dunkelheit dar. Palila zog die Knie etwas enger an sich, sorgsam darauf achtend, dass der einfache Mantel aus schlichtem, braunem Stoff nicht von ihren Schultern fiel. Für einen kurzen Moment betrachtete sie die einfache Brosche in Form eines Wolfes und ein sachtes Schmunzeln huschte über ihre Lippen. Sie musste an die Worte jenes Elben denken, der ihr vor einigen Stunden begegnet war und ihre Augen huschten zu dem Ring, mit der eingravierten Kröte, der auf ihrem linken Ringfinger saß. Ja, vielleicht war es wirklich albern sein Herz und die Erinnerung an eine Person an solch ein schlichtes Stück Metall zu hängen. Aber andererseits hatten ihr die Worte des anderen Elben wesentlich eher zugesagt, erinnerte sie sich mit einem Schmunzeln.

Palila war überrascht gewesen, als sie am Baum des Lebens einem Elben begegnet war. Weniger durch seine bloße Anwesenheit, hatte sie doch schon gehört, dass Angehörige jenes Volkes diesen Ort schätzten, doch vielmehr davon, dass er sich ihr genähert und mit ihr gesprochen hatte. Sie hatte bisher geglaubt, dass sich jene anmutigen Wesen meist eher zurückhaltend gegenüber Menschen verhielten. Ein wenig unsicher, hatte sie schon damit gerechnet fort geschickt zu werden. Und schließlich wäre sie auch gegangen, respektierte sie doch das Gebiet eines jeden Wesens, dessen Ursprung nicht widernatürlich und somit gegen Murranaghs Willen war. Umso überraschter, doch in efreuter Hinsicht, war sie als der Elb sie nicht fortschickte, sondern im Gegenteil überaus freundlich war. Bei diesem Gedanken umspielte ein sanftes Lächeln ihre Züge und sie rutschte ein wenig näher zum Baum um den Kopf gegen den Stamm zu lehnen. Der Elb hat ihre erklärt an diesem Ort gebe es nur Gäste, Fremde und Feinde. Schmunzelnd hatte sie die Bezeichnung Gast gewählt. Sie war nie gern Feind eines Wesens, es sei denn es stand in Murranaghs Ungnade.

Nachdem sie ihr stilles Gebet am Baum des Lebens beendet hatte, war ihr wieder die Kälte der Nacht durch die Glieder gefahren und sie hatte die wenigen Schritte zu ihrem Ross mit den leisen, weichen Schritten einer geübten Waldläuferin überbrückt und den Mantel von Hexis Rücken genommen. Und noch einmal hatte sie den Blick fasziniert auf den Elben gerichtet. Dieser saß mittlerweile am Feuer, einen wundervoll geschnitzten Langbogen an sich gelehnt. Sein Kopf war leicht nach vorn geneigt, so dass es schien als ruhe er. Palila zögerte. Sie hätte gern noch einige Worte mit diesem Fremdem gewechselt, wollte ihn aber nicht in seiner Ruhe stören. Noch während sie da stand und überlegte, wendete sich plötzlich der Kopf des Mannes leicht in ihre Richtung und seine ruhige Stimme erklang. Er fragt, ob sie ihr Weg schon fort führte. Palila blinzelte einen Moment lang und gab dann mit einem Schmunzeln aus, dass sie eigentlich nur die Kälte zu ihrem Mantel getrieben hatte. Und tatsächlich erschien ein Lächeln auf den anmutigen Zügen des Elben.

Palila hatte schließlich ebenfalls an dem Feuer Platz genommen, die bloßen Füße auf einen Stein vor ihr gestellt. Sie hatte den Blick des Elben auf ihren Füßen gesehen, als er schon bemerkte, dass die Nacht ein wenig kalt war und sich zu dieser Zeit kleine Wassertröpfech im Gras bilden. Sie hatte sachte schmunzelnd erwiedert, dass sie normalerweise Stiefel trug, es aber an diesem Ort vorzog barfuß zu gehen. Der Fremde hatte sachte genickt und Palila hatte den Umhang etwas fester um ihre Schultern gezogen. Die Finger ihrer rechten Hand waren, wie so oft, zu dem schlichten Ring am linken Ringfinger gewandert und hatten ihn sachte hin und her gedreht. Auch dies war dem Elben nicht entgangen und er fragte nach ihrer Rastlosigkeit. Sie erklärte, dass es ihr schwer fiel ganz zur Ruhe zu kommen. Der Fremde fragte, wo man denn zur Ruhe kommen solle, wenn nicht hier. Und damit hatte er wohl Recht gehabt. Dennoch fiel es der jungen Frau schwer. Selbst an diesem Ort, wo der Wind in den Blättern flüsterte und dabei von angenehmen Dingen erzählte.

Sie hatten sich noch einige Minuten unterhalten gehabt, als plötzlich ein zweiter Elb aufgetaucht war und sich zu ihnen an das Feuer gesetzt hatte. Dieser schien, im Gegensatz zu dem ersten, weit weniger aufgeschlossen gegenüber Menschen. Doch auch er hatte die Geste mit dem Ring bemerkt und ebenfalls danach gefragt. Wenngleich auch weit weniger freundlich. Auch schien er es wohl seltsam zu finden, dass jemand die Errinerung an eine Person an einen Gegenstand hing. So wie sie es mit Jelineas Ring tat. Dem Ring ihrer Seelenschwester, die schon so lange fort war. Fort in fernen Landen. Fort mit ihrem, damals noch ungeborenen, Kinde. Und zulange schon vermisste sie die Gespräche mit ihrer Freundin, die sie so gut kannte. Nein, sie konnte Jelinea nicht vergessen. Auch ohne Ring nicht. Und dies erklärte sie auch dem Elben. Zum ersten Male seit einigen Minuten hatte dann der erste Elb wieder die Stimme erhoben. Überrascht blickte Palila zur Seite und lauscht ihm, als er eine Geschichte zu erzählen begann. Eine Geschichte von Thelendil. Und von dem Stern der auf die Welt stürzte, in einer lang vergangen Zeit. Und von dem Schwert, dass aus einem besonderen Metalle gefertigt war. Die Worte des Elben hatten die junge Waldläuferin fasziniert, wenn sie auch nicht alle Einzelheiten gänzlich verstanden hatte. Und dann sprach er noch von den Gefallenen, die in dunklen Gewölben ein Schattendasein fristeten, geknechtet von ihren eigenen Rachegelüsten.

Schließlich sagte er, dass einige Geschichten aus alter Zeit vielleicht von Zeit zu Zeit erzählt werden sollten. Einen Moment hatten sie alle geschwiegen, bis der erste Elb bemerkte, dass es wohl für ihn an der Zeit was sein Heim aufzusuchen. Er hatte ein wenig erschöpft gewirkt. Die folgenden Worte des zweiten Elben hatte sie nicht recht verstanden: "Versprich ihr nicht zu viel Ithron - vielleicht findet die bess Adan gefallen daran." Lächelnd hatte er sich dann erhoben und Palila hatte den beiden Fremden für ihre Gesellschaft gedankt. Wenngleich die Worte mehr dem ersten, als dem zweiten gegolten hatten. Immerhin hatte der zuletzt angekommene ihr noch einige Worte des Abschieds zukommen lassen. Von denen sie die ersten wiederum nicht verstanden hatte. "Fuin vea... gebt auf Euren Pfad acht..." Die Worte des Abschieds des zweiten Elben klangen hingegen ein wenig freundlicher: "Möge Thelendil Euch heute Nacht Ruhe finden lassen rastlose Adanbess..." Sie musste schmunzeln und da waren die Fremden auch schon im Dickicht des Waldes verschwunden.

Für einen Moment saß Palila allein und nachdenklich da, bis sie sich langsam erhob und gemächlich zu ihrem Ross schritt. Wobei ihre bloßen Füße kaum ein Geräusch auf dem weichen Waldboden verursachten. Dort angekommen hatte sie kurz den schlanken Hals ihres treuen Hengstes getätschelt und war dann in ihre Stiefel geschlüpft. Sorgsam hatte sie die ledernen Rüstteile vom Boden aufgehoben und mit geübten Handgriffen angelegt. Schließlich hatte sie noch den schlanken, dunklen Bogen mit dem Griff in Form eines Drachen aufgenommen und zusammen mit dem schlichten Köcher umgehängt. Anmutig hatte sie sich auf den Rücken ihres Pferdes geschwungen und ihn mit sanftem Druck von der Lichtung gelenkt.

Nun saß sie nach einer kurzen Nacht, mit recht angenehmen Schlaf, wieder neben dem Baum des Lebens. Inzwischen tauchte die Sonne wieder hinter dem Horizont auf und tauchte den Wald in ein angenehmes Lichtspiel. Palila zog tief die frische Morgenluft ein. Ein neuer Tag begann. Ein neuer Tag voller Erlebnisse. Sie erhob sich langsam und schritt zu ihrem Ross herüber. Allmählich musste sie sich auf den Weg machen. Frühstück für sich selbst und ihr Pferd suchen, dachte sie schmunzelnd. Vielleicht würde sich auch wieder die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihrem Gefährten geben. Und schließlich stand ihr auch wieder ein Tag des Kampfes gegen die, die in Murranaghs Ungnade standen, bevor. Prüfend strich sie über den prall gefüllten Köcher und Aoths Atem, ihren Bogen. Noch ein Geschenk aus vergangenen Tagen, welches sie an eine Person erinnerte, die schon lange fort war. Seufzend ausatmend dachte sie wieder an die beiden Elben. Doch dies war nicht die richtige Zeit für Grübeleien entschied sie und schwang sich mit der Eleganz einer jungen Frau auf Hexis Rücken. Nochmals überprüfte sie den Sitz ihrer Waffen und trieb dann mit sanftem Schenkeldruck ihren Hengst zur Bewegung an. Und während sie gemächlichen Trottes die Lichtung verließ und sich auf den langen Weg durch den dichten Wald machte, strich wie immer der Wind durch die Blätter.


Quasohlr

Bedürftige, Zufriedene und eine Kiste... (09.07.2004, 00:09)

In langsamem Trab ließ Quasohlr seine Stute durch die Flüsterwaldsiedlung laufen. Ein weiterer Tag Arbeit in der Mine wartete auf den jungen Bergarbeiter. Und schließlich wollte er ja auch eines Tages ein Großmeister in diesem Fache werden. Genauso wie Meister Fremrath. Eine kühle Morgenbrise wehte ihm durch das lange, dichte, goldblonde Haar. Seine bernsteinfarbenen Augen verengten sich leicht als er vor dem neuen Haus von Oskar eine Truhe erblickte. Er zügelte sein Ross und sah auf das Schild, welches über der Truhe hing. Stirnrunzelnd versuchte er die seltsamen szedân-Schriftzeichen zu entziffern. Eine merkwürdige Art sich Nachrichten mitzuteilen, dachte er bei sich. Er ließ Quna etwas näher an das Schild gehen und senkte den Kopf leicht. "Kiste für Bedürftige". Er neigte das Haupt leicht auf die Seite und brummte leise. Die beiden ersten Worte waren ihm geläufig, aber das dritte brachte ihn zum Nachdenken. Doch schließlich, nach einigem Grübeln, war er sich sicher zu wissen was es bedeutete. Er kratzte sich mit einem Finger der breiten rechten Hand durch den dichten Bart am Kinn. Sachte nickte er dann zu sich selbst. Eine gute Idee solch eine Kiste. Mit einem sachten Lächeln presste er die Schenkel an die Flanke seines Pferdes, es weitertreibend.

An der Mine angekommen führte er die Stute in den Stall und machte sich auf den Weg in die Höhle. Sorgsam zog er die Picke aus der Schlaufe am Gürtel und begann mit prüfendem Blick den Felsboden zu betrachten. Mit kraftvollen Hieben förderte einige Erzbrocken zutage. Am Ende des Tages hatte er sogar etwas evhadjirr manahrr und evhadjirr mavha gefunden. Und so zierte ein zufriedenes Lächeln sein Gesicht als er den prallgefüllten Beutel am Sattel befestigte und sein Pferd nach Minoc führte. Bevor er zur Schmiede zurückkehrte wollte er sich aber noch ein Abendessen und etwas zu trinken in der Taverne leisten. Quasohlr ließ sich auf einen der Stühle plumpsen und winkte der Wirtin. "Dahs uhplicke bihte..." erklang der fremdländische Dialekt mit dem stark gerollten R. Die Frau, die bei Quas Wink an den Tresen getreten war, schmunzelte nur leicht und nickte knapp. "Sehr wohl. Kommt sofort." Quasohlr lächelte dankend und begab sich in den kleinen Garten gegenüber des Weges und nahm an einem der Tische Platz. Wenige Momente später trat die Wirtin an den Tisch heran und stellte eine Schüssel, sowie einen Krug vor den breitschultrigen Mann. Dieser hatte die fälligen Münzen bereits vorher in einem kleinen Beutel auf den Tisch gelegt. Wie jeden Abend. Die Frau lächelte freundlich, nahm den Beutel auf und wendete sich wieder um.

Nachdem er sein Mahl beendet hatte, den Krug in der rechten Hand, lehnte er sich ein wenig zurück und betrachtete die Menschen die am Abend noch durch Minoc wanderten. Nach einer Weile trat ein junger Mann zu ihm an den Tisch. Er sah abgekämpft aus, gewandet in eine zerschlissene Lederrüstung. "Darf ich mich setzen?" erklang die müde Stimme des jungen Mannes. Quasohlr nickt sachte: "Sickerrlick." Der Kämpfer lächelte matt und ließ sich auf die Bank sinken, während die Augen seines Gegenüber nochmals musternd über seine Erscheinung glitten. Der Bergarbeiter schmunzelte sachte. "Ihrr sehd auhs als op ihrr ihn einehn Kahmv gerratehn währret..." Leicht fragend war der Unterton der brummigen Bassstimme. Der junge Krieger hob den Blick und lächelte schwach. "Ja, aber meine Rüstung hat mir nicht sonderlich viel geholfen. Ich sollte mir eine neue zulegen." Seufzend fügte er an. " Eine Rüstung aus Metall, ja das wäre es. Es müssten nur einfache Eisenringe sein." Bei seinen Worten leuchteten seine Augen auf, den Blick noch immer auf Quasohlr gerichtet. Dieser schmunzelte nickend. " Daaradjirrán." erwiderte er langsam. Als sein Gegenüber diese Aussage mit einem äußerst irritierten Blick quittierte, lachte der junge Schmiedegeselle auf. "Metahlruhstunk." gab er dann breit grinsend hervor, woraufhin sich der erschreckte Gesichtsausdruckes des Kämpfers in einen scheinbar erleichterten wandelte. Er gewann sich sogar ein schmales Lächeln ab. "Nuhn." setzte der breitschultrige Bergarbeiter erneut an. "Ick kahn euck sagehn woh Ihrr eineh einfacke Ruhstunk auhs eisehnenn Rinngenn fihnded." Das Gesicht des Kriegers wandelte erneut seinen Ausdruck. Erwartungsvoll leuchteten seine braunen Augen auf.

"Ick bihn Mitgliht einehrr Schmihdegemeihnschavd." fuhr Quas fort. "Frrehmrahd uhnt Frrahns... Wihrr ferrtihgehn allerrlei Ruhstungehn uhnt Wahvehn. Ehs gihpt swahrr nock keineh Meihsterrwahrre, aberr ehs ihsd trrodzdehm guhte Kwalitaht. Ick kahn Euck gehrrn dehn Wehk dahihn beschrreibehn. " endete er lächelnd. "Das wäre wirklich sehr freundlich von Euch Herr... äh.." antwortete sein Gegenüber mit fragendem Ton. "Quasohlrr." er senkte leicht sein Haupt. "Ah... sehr erfreut. Ich heiße Lysander." "Ebehnso errfrreut Lihsahnderr." "Nun, wo genau liegt denn diese Schmiede." Fragend hob sich eine von Lysanders Brauen." "Gahns ihn dehrr Nahe... Wisst ihrr woh dih Mihne ihsd?" Als der junge Man vor Quas sachte nickte fuhr er fort." Guhd... fohn dehrr Mihne aus nack suhd-ohsdehn, uhberr dih Brrucke und dann gleick dahs Haus da beihm andehrrehn Ehndeh dehrr Brrucke. Ahn dehm Wehk szu Vehspehrr. Dah bekohmd ihrr Schmihdehwahrren. Uhnt dah ihsd auck eineh Trruhe mihd andehrren Sacken... Fuhrr Beduhrrftike. " fügte er stolz lächelnd an. Lysander nickte dankend und erhob sich wieder. Ich werde gleich einmal dort nachsehen. Habt vielen Dank Herr... äh... Quas...Quasl...Quasohler." Quas musste schmunzeln als er bemerkte wie sich der junge Mann mit seinem Namen abmühte. "Nehnd mick Quas... dahs tuhen alle hihrr..." "Gut, dann Auf Bald ... Quas." Lysander verneigte sich, erneut dieses Lächeln der Erleichterung im schmalen Gesicht und wendete sich dann um.

Der Bergarbeiter sah ihm einen Moment nach, leerte dann seinen Krug und erhob sich ebenfalls. Mit, von einem langen Tag schweren Schritten, machte er sich auf den Weg zum Stall. Behäbig hievte er sich in den Sattel und trieb die sanftmütige Stute aus dem Stall. Sie kannte den Weg zur Schmiede inzwischen schon allein und Quas ließ sie sanft dahintraben. Am neuen Handelsposten zügelte er Quna kurz und besah sich das Gebäude nochmals. Heute hatte Oskar es ihm auch von Innen gezeigt und er musste sagen, dass es ihm für ein szedânujhá gut gefiel. Bald würde auch er einen Schlüssel dazu erhalten und Stolz leuchtete bei diesem Gedanken in seinen bernsteinfarbenen Augen. Nach dem Auseinanderbrechen der RuS hatte er nun endlich wieder ein Zuhause in dieser ihm fremden Welt gefunden. Auch wenn ihm die Mitglieder seines Stammes, seine Familie, fehlten. Manchmal fragte er sich was sie wohl gerade taten. Zuhause in der großen ujhákhihakairr. Er rieb sich sachte über die Augen. Solche Überlegungen führten zu nichts, ermahnte er sich selbst und trieb seine getreue Stute weiter. Er würde noch jene Erzbrocken in seinem Beutel abliefern müssen, bevor er sich endlich hinlegen konnte. Aber zumindest hatte er die Schmiede weiterempfehlen können und dies ließ ein zufriedenes Gefühl in dem breitschultrigen Hünen zurück. Ein weiterer Tag Arbeit war zu Ende und er konnte sich endlich zu seinem Nachtlager begeben.

szedân - menschliches Wesen, nicht Angehöriger von Quas Stamm
evhadjirr manahrr - Black Rock-Erz
evhadjirr mavha - Golderz
Daaradjirrán - schützender Metallgegenstand, Metallrüstung
szedânujhá - "Menschenort", "Menschenhaus"
ujhákhihakairr - Wüste


Becca Sbocaj

Morben (29.09.2002, 11:56)

Rotglühende Augen die sich in ihren Kopf bohrten. Gezischte Befehle. Übelkeit. Todesangst.
Becca spürte den festen Griff des Mannes um ihr Handgelenk. Sie konnte den Blick nicht von seinen Augen wenden, zu faszinierend war das rote Glühen und doch verursachte der Blick ihres Gegenübers Panik in ihr. Eine Panik die ihren ganzen Körper durchdrang, die Panik die jemand verspürt der um sein Leben fürchtet. Die dunkle Haut, die roten Augen, die spitzen Ohren, die schreckliche Gewissheit, dass dies die Morben waren, von denen I’thiel ihr erzählt hatte. Sie wand sich in dem Griff des Mannes, doch war es sinnlos. Das Leuchten der roten Augen brannte sich ihr tief in die Seele. Die Erinnerungen verschwammen. Sie spürte wie sich ihr Abendessen den Weg hinauf durch ihre Speiseröhre auf die Rüstung des Kriegers vor ihr wand. Und dann wurde alles dunkel. Einzig ein rotes Augenpaar fand den Weg durch die Dunkelheit, verfolgte sie durch zittrige Träume.
Schreckhaftes Erwachen. Orientierungslosigkeit. Becca sah sich um und fand sich in der Heilerstube in Vesper wieder. Sie ließ den angehaltenen Atem entweichen. Sie frösstelte und zog die Decke enger um sich. Aldiron saß noch immer neben ihrem Bett und sein Blick bedeutete, dass er sie weiterhin nicht gehen lassen würde. Becca seufzte leise und ließ sich zurück in Bett fallen. Die Erschöpfung nahm schnell wieder Besitz von ihr und der Schlaf quälte die kleine Kreatur erneut mit den Bilder der Nacht. Bilder die sie in ihren 16 Sommern noch nie gesehen hatte, aber für den Rest ihres Lebens nicht vergessen würde.


Von Pferden und Menschen (26.03.2004, 11:46)

Es war ein angenehmer Wintertag, nicht allzu kalt und auch der Wind blies nur schwach die kalte Luft über den Boden. Becca stand wie jeden Morgen im Stall und kümmerte sich mit Maureen um die zahlreichen Tiere die die junge Zähmerin hier untergebracht hatte. Doch ihr besonderes Augenmerk lag heute auf zwei Pferden. Genauer gesagt auf einem Schimmelpony mit drei schwarzen, kullerrunden Fellflecken auf der linken Flanke namens Baga und einer kleinen Schimmelstute mit dem Temperament und den Augen einer Milchkuh, die den Namen Bora trug. Die beiden sollten heute neue Besitzer finden und Becca war einigermaßen aufgeregt, wie vor jedem Besuch eines angekündigten Kunden, da sie sich nicht sicher war, ob die Tiere den Gefallen der Kunden finden würden. Sie hatte sich bemüht zwei sanftmütige Tiere zu finden und sie sorgsam zuzureiten, hatte sie doch den Eindruck gehabt die Pferde seien für Frauen bestimmt. Schon allein die Tatsache, dass sie zwei kleine Tiere hatte finden sollen ließ sie dies annehmen, waren die meisten Männer die sie kannte doch eher hochgewachsen. Für einen Moment blickte sie an ihrer eigenen kleinen, sehnigen Gestalt herab. Ja, sie war froh, dass es kleine Pferde gab und das nicht nur wegen des Auftrags. Becca wendete den Blick ihrer grauen Augen schließlich wieder zu den Tieren und fuhr Baga sanft durch die lange, strubbelige Mähne woraufhin die Pony-Stute ein leises Wiehern von sich gab und ihren Kopf an die schmale Hand der Zähmerin drückte.

Ein zufriedenes Lächeln umspielte die Lippen der jungen Frau als sie die Stallungen schließlich mit einem gesattelten Pferd verließ, dabei einen letzten Blick auf die Schimmelstuten werfend, die ruhig in ihren Boxen standen. Sie führte Mortimus, ihr eigenes rostbraunes Lieblingspferd, an den Zügeln zum Tor und schwang sich dort in den Sattel des kleinen Hengstes. Mit einem leichten Druck ihrer Waden gegen die Seiten des Tieres setzte sich dieses in Bewegung und trug sie geruhsam durch den Wald zu ihrem Haus am Strand. Leise seufzend machte Becca sich daran die Zeit bis zu dem Treffen mit den Käufern der Pferde zu vertreiben. Glücklicherweise gab es einiges zu tun um sich abzulenken. Die Schafe mussten geschoren werden, die Tiere in ihrem eigenen Stall versorgt werden, auch wenn das Ausmisten bereits der Stallbursche übernommen hatte.

Geschäftig wuselnd ging so der Vormittag vorbei und als am und im Haus schließlich nicht mehr zu tun war, beschloss Becca zum Kontor zurückzukehren. Zu ihrer Überraschung stellte sie fest, dass ihre Kunden bereits auf sie warteten. Zwei Erwachsene mit dem Zeichen der Wächter des Lichtes und ein Kind standen im Kontor. Aufgeregt huschte Becca zum Stall und ließ Maureen die Tiere holen. Während der Blick der Frau, Niora wenn sie sich recht entsann, äußerst skeptisch war, schien das kleine Mädchen hellauf beifeistert von der Aussicht ein eigenes Pony zu haben. Sie hatte sogleich die Arme um Bagas Hals geschlungen und schien das Tier gar nie wieder loslassen zu wollen. Bevor Becca sich versah hatte sich die kleine Melanie auch schon auf den Rücken der kleinen Schimmelstute geschwungen und trabte jauchzend über das Gelände des Kontors. "Nunja, Baga hat wohl schonmal ein neues Zuhause." dachte die junge Zähmerin bei sich und lächelte zufrieden.

Frau Niora jedoch auf den Rücken des ihr zugedachten Pferdes zu bekommen war da schon weitaus schwieriger wie es schien. Und als die junge Frau schließlich doch vorsichtig die ersten Meter im Sattel zurücklegte war sie wohl alles andere als begeistert. Becca stand schmunzelnd neben Melanie, die ihr bestätigte, dass ein Pferderücken nicht Nioras Lieblingsort war. Jeder Zweifel daran wurde beseitigt als sie schießlich auch noch ihre Hand in den Zügeln verhedderte und ihr Gefähte ihr zu Hilfe eilen musste. Für einen Moment kamen in Becca Zweifel auf, ob sie an diesem Tage wirklich zwei Pferde würde verkaufen können, doch zu ihrer Überraschung nahm der nette Herr, der die beiden "Reiterinnen" begleitet hatte und dessen Name, falls er jeh gefallen war, Becca schon längst wieder entfallen war wie sie beschämt feststellte, ihr doch beide Stuten ab. Und auch die Menge der Goldmünzen, die die Zähmerin verlangte sagte ihm zu.

Zufrieden lächelnd, wenn auch ein wenig wehmütig ob des Abschieds von den beiden Schimmeln, führte Becca die Familie aus dem Kontor. Ein sachtes Schmunzeln umspielte ihre Lippen als sie den dreien nachsah. Das Kind freute sich sichtlich und ritt übermütig voraus. Frau Niora schien sich noch immer nicht wirklich mit dem Reiten angefreundet zu haben. Der Herr jedoch schien ein geübter Reiter, wenn auch seine Schwierigkeiten mehr daran bestanden, das Mädchen am allzu schnellen reiten zu hindern und gleichzeitig darauf Acht zu geben, dass Niora nicht aus dem Sattel fiel.

Becca blickte ihnen noch einen Moment nach und wendete sich dann wieder den Stallungen zu. Sanft klopft sie ihrem Hengst auf den Hals und gab ihm eine Möhre zu fressen. Ja, es war ein arbeitsreicher Tag gewesen. Ein Tag an dem sie wieder einmal etwas gelernt hatte über Pferde und Menschen.



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